Bitcoin hat Wert seit dem Vorjahr verdreifacht

13. Juni 2016, 07:34
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Studie von SBA Research: Hohe Volatilität des digitalen Geldes wird als größter Risiko gesehen – Der typische Bitcoin-Nutzer ist männlich und 28 – Großereignis "Halving" am 10. Juli

Wien – Das Krypto-Geld Bitcoin gewinnt zwar immer mehr an Popularität und hat allein im Mai gegenüber dem Euro um ein Fünftel an Wert zugelegt – zum Massenphänomen ist die digitale Währung aber nach wie vor nicht geworden. Gerade die starken Wertschwankungen sind es nämlich, die den Nutzern als größtes Risiko erscheinen, zeigt eine Studie des Sicherheitsforschungszentrums SBA Research.

Bitcoin (BTC) ist mit einer aktuellen Marktkapitalisierung von mehr als 3,1 Mrd. Euro und 130.000 Transaktionen pro Tag derzeit die erfolgreichste Krypto-Währung. Ein Bitcoin ist derzeit rund 600 Euro wert, vor einem Jahr erhielt man für 1 BTC nur knapp über 200 Euro. Allerdings war er Ende 2015 auch schon deutlich mehr wert als heute, bevor es zu einem jähen Wertverfall kam. Für kleinere Transaktionen wird Bitcoin auch in "Bitcent" (cBTC) oder "Millibitcoin" (mBTC) unterteilt. Die kleinste Einheit, ein Hundertmillionstel BTC, wird als "Satoshi" bezeichnet und ist nach dem legendären Bitcoin-Erfinder benannt, von dem aber nur das Pseudonym Satoshi Nakamoto bekannt ist.

Missverständnisse

In der allgemeinen Wahrnehmung gebe es zahlreiche Missverständnisse über Bitcoin, meint Edgar Weippl, wissenschaftlicher Leiter von SBA Research. Es werde fälschlicherweise angenommen, dass Bitcoin eine anonyme Währung sei, mit der man Geldflüsse komplett verschleiern könne und dass sie deshalb zum bevorzugten Zahlungsmittel vor allem von Cyberkriminellen geworden sei.

Beides sei so nicht richtig, erklärt Aljosha Judmayer, IT-Sicherheitsexperte bei SBA Research. Um dem "Mythos Bitcoin" auf den Grund zu gehen, habe man rund 1.000 Bitcoin-User weltweit befragt, wie und wofür sie die Digitalwährung in der Praxis tatsächlich nutzen.

Als häufigste Verwendungszwecke wurden Trinkgeld und Spenden genannt (38 Prozent), vor dem Erwerb virtueller Güter (33 Prozent) und Online-Shopping (28 Prozent). Mehr als jeder vierte verwendet es auch als Einsatz beim Glücksspiel, 5 Prozent gaben an, damit Drogen zu kaufen.

Viele nutzen Tor

Man habe sich sehr darum bemüht, den Teilnehmern an der Online-Befragung Anonymität zu garantieren um ehrliche Antworten zu erhalten, erklärte Judmayer. "Wie haben nur geschaut, aus welchen Ländern die IP-Adressen kommen, das war das Einzige. Dabei haben wir gesehen, dass die zweithäufigsten Anfragen aus dem Tor-Netzwerk, also dem Anonymisierungsnetzwerk, gekommen sind." Laut Studie nutzt etwa jeder vierte Bitcoin-User Tor, um seine Anonymität zu wahren.

Dennoch habe es wohl einen "Selection Bias" gegeben, räumt Weippl ein – Kriminelle dürften sich wohl eher nicht freiwillig als Studienteilnehmer gemeldet haben. Knapp jeder zweite User denkt, dass Bitcoins zwar nicht per se anonym sind, aber anonym genutzt werden können. 80 Prozent denken, dass ihre Transaktionen nachverfolgt werden können.

Junge Männer nutzen Bitcoin

Wenig überraschend ist, dass Bitcoins vor allem von jungen Männern genutzt werden: 85 Prozent der Studienteilnehmer waren Männer, das Durchschnittsalter (Median) betrug 28 Jahre. 50 Prozent haben einen IT-Hintergrund. Die rund tausend Teilnehmer besaßen insgesamt 8.000 BTC und jeder zweite gab an, Bitcoin mindestens einmal pro Woche zu verwenden. 11 Prozent waren nach eigenen Angaben selbst "Bitcoin Miners".

Um zu verstehen, was das bedeutet, muss man wissen, was die Grundidee von Bitcoin ist. Ziel des – oder der – Erfinder war es, digitales Geld zu schaffen, das nicht beliebig vermehrbar und daher inflationär ist wie das von Zentralbanken geschaffene "Fiatgeld". Ähnlich wie bei Gold ist die Erzeugung von Bitcoins aufwendig und teuer – die Erzeugung ("mining") neuer Bitcoins durch komplizierte Rechenoperationen verschlingt viel Zeit und elektrischen Strom und die maximale Bticoin-Geldmenge ist durch das Netzwerkprotokoll auf 21 Millionen Einheiten festgelegt. Etwa alle zehn Minuten entsteht ein neuer Bitcoin-Block, der an einen der User, die sich am Mining beteiligen, ausgezahlt wird.

Erzeugung wird schwieriger

Damit die Bitcoin-Menge nicht zu rasch steigt, wird die Erzeugung automatisch immer schwieriger – damit hängt auch das bevorstehende Großereignis in der Bitcoin-Welt zusammen, das "Bitcoin Halving". Das Ereignis tritt nach jeweils 210.000 neu erzeugten Blöcken auf, also ungefähr alle vier Jahre. Dabei wird die Neugenerierung von Bitcoins pro neu berechnetem Bitcoin-Block halbiert. Zu Beginn, 2009, betrug die Belohnung für einen neuen Bitcoin-Block noch 50 BTC, derzeit sind es 25 BTC. Das nächste "Halving" wird am 10. Juli 2016 erwartet.

Während viele Bitcoin-Fans hoffen, dass das Halving dem BTC zu neuen Höhenflügen verhelfen wird, sehen manche darin eine große Gefahr. Das Mining, also das Berechnen neuer Bitcoin-Blocks, dient nämlich auch der Bestätigung der Transaktionen im Netzwerk – und wenn es sich wegen der hohen Stromkosten nicht mehr lohnt, könnten die Transaktionen stark verzögert werden oder gar zum Stillstand kommen, so die Befürchtung. Ein dramatischer Kursverfall könnte die Folge sein. (APA, 13.6.2016)

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    foto: reuters / tessier
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