Deutschland steigt zum drittgrößten Waffenexporteur auf

13. Juni 2016, 06:18
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Frankreich und Großbritannien überholt. Franzosen wollen bis 2018 auf Platz zwei hinter den USA aufsteigen, Saudi-Arabien bleibt größter Importeur

London – Deutschland ist im Vorjahr hinter den USA und Russland der drittgrößte Waffenexporteur gewesen und hat damit Frankreich und Großbritannien überholt. Wie der Deutsche Unternehmen verkauften im Jahr 2015 Rüstungsgüter im Wert von rund 4,78 Milliarden US-Dollar (4,2 Milliarden Euro) ins Ausland, ohne Kleinwaffen und Munition, stellte der Branchendienst "Jane's" in seinem Rüstungsbericht fest.

Davon gingen etwas weniger als ein Drittel (29 Prozent) in den Krisengürtel Nahost und Nordafrika. Wichtigster Abnehmer in dieser Region war im vergangenen Jahr Saudi-Arabien, gefolgt von Algerien, Ägypten und Katar. Laut "Jane's" werden die Lieferungen nach Nordafrika und in den Nahen Osten 2018 sogar 40 Prozent der deutschen Rüstungsexporte ausmachen. Danach fällt der Anteil voraussichtlich wieder auf 28 Prozent.

Frankreich belebt Rüstungsindustrie

2014 war Deutschland in der Liste der größten Exporteure noch auf dem fünften Platz gelegen. Dass es 2016 wohl nur für den vierten Platz reichen wird, liegt nach Auskunft des Autors Ben Moores allerdings nicht daran, dass Deutschland seine Rüstungsexporte verringert. Im Gegenteil: Der Gesamtbetrag wird den Berechnungen zufolge sogar noch einmal minimal steigen.

Grund sei vielmehr die Tatsache, dass Frankreich seine Rüstungsindustrie "wiederbelebt" habe. Die Gesamtsumme der französischen Rüstungsexporte in diesem Jahr schätzt Moores auf sechs Milliarden Dollar. Seinen Berechnungen zufolge wird Frankreich 2018 sogar Russland überholen und zum zweitgrößten Rüstungsexporteur aufsteigen.

Saudis bleiben größter Abnehmer

Der weltweit größte Importeur von Waffen und Ausrüstung bleibt Saudi-Arabien. Laut "Jane's" wurden im vergangenen Jahr Rüstungsgüter im Wert von 9,3 Milliarden Dollar in das islamische Königreich geliefert. Heuer liegen die saudischen Militärimporte sogar knapp über zehn Milliarden Dollar.

Indien belegt in der Liste der wichtigsten Importeure den zweiten Platz. Die Vereinigten Arabischen Emirate steigern ihre Rüstungsausgaben den Angaben zufolge massiv, 2016 sollen sie Material im Wert von drei Milliarden Dollar erhalten. Damit sind sie aktuell der drittgrößte Importeur von Rüstungsgütern.

Niedriger Ölpreis könnte Ausgaben Russlands und des Oman senken

Zwar macht den Golfstaaten der Rückgang der Öl- und Gaspreise zu schaffen, Moores gibt allerdings zu bedenken: "Nur weil ein Land sehr stark von Öleinkünften abhängig ist, heißt das nicht automatisch, dass es seine Verteidigungsausgaben senken wird, nur weil der Ölpreis sinkt."

Saudi-Arabien habe große Ölreserven und kaum Schulden. Das ermögliche es, auch in den kommenden Jahren große Aufträge an Rüstungskonzerne zu vergeben. Anders sei das im Fall Russlands und des Sultanats Oman. In beiden Staaten sei bei einem anhaltend niedrigen Ölpreis langfristig mit sinkenden Rüstungsausgaben zu rechnen.

Neuer Fokus auf Präzisionslenkwaffen im Golf

Aus der Art der Rüstungsgüter, die die arabischen Staaten derzeit bestellen, lässt sich laut Moores viel über ihre strategischen Ziele und Allianzen ablesen. "Saudi-Arabien, Katar und die Emirate investieren viel in Späh- und Überwachungstechnik", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Das könne auf ein größeres Streben nach Unabhängigkeit vom langjährigen Sicherheitspartner USA hindeuten.

Die Golfstaaten und Ägypten hätten sich zudem Militärtechnik zugelegt, die auch anderen Zwecken diene als der defensiven Landesverteidigung. Der neue Fokus auf Präzisionslenkwaffen deute darauf hin, dass man sich auf Konflikte vorbereitet, "in denen es auch darum geht, sich die Unterstützung der Bevölkerung zu sichern, indem man eine große Anzahl ziviler Opfer vermeidet". (APA, 13.6.2016)

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