In schlechter Gesellschaft

Einserkastl12. Juni 2016, 19:05
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Auch Sexarbeiterinnen dürfen nicht gegen ihren Willen sexuell bedrängt werden

Was sich eine Frau immer noch anhören muss, wenn sie von einem sexuellen Übergriff berichtet: Sie hätte eben nicht aufgepasst. Sich in schlechter Gesellschaft bewegt. Sich unpassend gekleidet, benommen, gesprochen. Freiwillig Alkohol oder andere Drogen zu sich genommen.

Von der unfreiwilligen Drogeneinnahme ist hier noch nicht einmal die Rede. K.-o.-Tropfen sind schwer nachweisbar, der Filmriss sorgt dafür, dass oft zu spät in medizinische Betreuung eingecheckt wird.

Unversehrtheit ist also offenbar immer noch Bringschuld des Opfers. Benahm sich dieses Opfer in der Vergangenheit so, wie es dem Mainstream einer anständigen Frau unwürdig schien, wie zum Beispiel Frau Lohfink, dann ertönt dieser Vorwurf umso lauter.

Eine Frau, die sich nach dem Ebenbild der Barbiepuppe neu schuf und auf der Pornoästhetik-Klaviatur spielte, hat nach Ansicht einiger Menschen offenbar nichts anderes verdient, denn als willenloses Plastikobjekt behandelt zu werden.

Aber jemand, der schon einmal einen Sexfilm gedreht hat, hat damit weder in Herstellung noch in Verbreitung anderer Videos eingewilligt, die eine sediert wirkende, "Hör auf!" stammelnde Frau zeigen. Was wiederum zu einem anderen Aspekt führt: Auch Sexarbeiterinnen dürfen nicht gegen ihren Willen sexuell bedrängt werden. Wer so etwas relativiert, sieht die Frau immer noch als Ware. (Julya Rabinowich, 12.6.2016)

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