Stiftungen werfen im Schnitt 600.000 Euro ab

12. Juni 2016, 18:00
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Neue Daten zu Privatstiftungen: Grüne fordern höhere Steuern auf Kapitaleinkommen

Wien – Wer Eigentum in einer Privatstiftung bunkert, ist kein armer Mensch. Erst ab 30 Millionen Euro zahlt sich laut Stiftungsverband eine solche Einrichtung aus. Insgesamt soll hierzulande Vermögen von 70 bis 90 Milliarden auf diese Weise angelegt sein.

Wie viel Steuern zahlen Privatstiftungen? Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) hat nun eine parlamentarische Anfrage des Grün-Abgeordneten Bruno Rossmann beantwortet. Demnach lieferten 3787 Stiftungen im Vorjahr 565 Millionen an Kapitalertragssteuer und 140 Millionen an Körperschaftssteuer ab, insgesamt sind es 758 Millionen. Angesichts des Gesamtvermögens sei das "sehr wenig", findet Rossmann.

Kapital kommt billiger weg als Arbeit

Was auffällt: Während die Körperschaftssteuer seit 2011 stagniert, legte die Kapitalertragssteuer (KESt) stark zu (siehe Grafik). "Stiftungen schütten also mehr aus, als sie an ,Gewinn' erwirtschaften", sagt Rossmann. Der Sprung im Vorjahr hängt freilich mit einem Vorzieheffekt zusammen: Weil die KESt für Erträge aus Kapitalvermögen heuer von 25 auf 27,5 Prozent steigt, zogen Stiftungen Ausschüttungen offenbar vor.

Pro Stiftung habe die Ausschüttung 2015 im Schnitt 600.000 Euro betragen, leitet Rossmann aus den Daten ab: "Ein nettes Jahreseinkommen für einen begünstigten Haushalt." Was ihn daran stört: Trotz heuriger Erhöhung kommen Kapitaleinkommen wie diese viel billiger weg als Arbeitseinkommen, die mit bis zu 55 Prozent besteuert werden. Rossmann fordert ein Ende dieser "Begünstigung" ebenso wie eine Erbschaftssteuer, um dafür niedrige und mittlere Einkommen zu entlasten. (Gerald John, 13.6.2016)

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