Umbau-Zeitplan für Bank Austria wackelt

13. Juni 2016, 09:00
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Die Abspaltung der Osteuropa-Banken soll bis Ende September stehen. Die Unicredit fürchtet nun, dass die Übersiedlung nach Mailand teurer kommt als geplant

Wien – Der Zeitplan der Unicredit, das Osteuropa-Geschäft (CEE) der Bank Austria nach Mailand zu übersiedeln, gerät ins Trudeln. Für Juli ist die Aktionärsversammlung geplant, in der die Abspaltung der CEE-Sparte von der Bank Austria an die Unicredit beschlossen werden soll. Voraussetzung dafür ist, dass der Spaltungsplan spätestens einen Monat vor der Hauptversammlung veröffentlicht wird. Das Idealziel der Italiener ist es, den Deal bis Ende September im Handelsregister einzutragen, denn nur dann wirkt er rückwirkend per 1. Jänner.

Die Probleme der von faulen Krediten schwerbelasteten Unicredit (Headhunter suchen einen neuen Chef) machen das Unterfangen zu einem Hochseilakt mit Absturzpotenzial. Und nun seien Bedenken aufgetaucht, die sich auf die technischen Details der Transaktion beziehen, wie mit den Vorgängen Vertraute erzählen. Die Italiener seien draufgekommen, dass die zweistufige Abspaltung sie doch teurer kommen könnte als gedacht.

Teurer Zwei-Stufen-Plan

Zur Erinnerung: Die CEE-Sparte (ohne Polen) ressortiert zur Bank Austria (BA) und kann gemäß überarbeitetem Bank-der-Regionen-Vertrag (Rebora) ab heuer an BA-Mutter Unicredit übertragen werden. Da ein gruppeninterner Kauf zu teuer erscheint, präferiert Mailand die Spaltung.

Nun soll sich herausgestellt haben, dass die Abspaltung des CEE-Teils auf eine neue Gesellschaft samt grenzüberschreitender Verschmelzung auf die Unicredit doch kostspieliger würde. Die österreichische Gesellschaft, von der aus das Geschäft künftig (nur) koordiniert werden soll, bräuchte eine volle Banklizenz – auch die Zahlung einer Bankenabgabe wäre fällig. Zudem muss die Aufsicht Genehmigungen erteilen, und dass sich all das rechtzeitig ausgeht, bezweifeln Insider.

Umso mehr, als die Verhandlungen mit den Golden-Share-Aktionären Betriebsratsfonds und Gemeinde-Wien-naher AVZ-Stiftung nicht abgeschlossen sind. Beide haben gemäß Rebora die Möglichkeit, den Spaltungsbeschluss zu verhindern, indem sie der Hauptversammlung fernbleiben.

Erhaltung der Lebensfähigkeit

Der Betriebsrat will, dass die Mitarbeiter der oben genannten "CEE-Organisationsgesellschaft" von der BA kommen und per Delegationsverträgen entsendet werden. Zudem verlangt er Zusagen, dass die BA mittelfristig "lebensfähig" bleibt, auch ohne Ostgeschäft. Es geht also um die Finanzierung durch die Unicredit und Absicherungen wie die, das Filialgeschäft nicht zu verkaufen (den Plan gab es ja). Die BA verliert mit dem CEE-Deal 13 Banktöchter mit einer Bilanzsumme von 80 Milliarden Euro (von zuletzt rund 193 Mrd.) und einem Gewinnanteil von rund 800 Millionen Euro (von 1,3 Mrd. im Jahr 2015).

Die Gemeinde Wien wieder muss alle Risiken ausschließen, die ihr aus ihren Garantien für die BA entstehen könnten. Zwar haftet die AVZ als Bürge und Zahler, da sie aber nicht genug Vermögen hat, müsste im Ernstfall Wien als Ausfallsbürgin einspringen. Es geht um rund fünf Mrd. Euro, inklusive Verpflichtungen für die 3000 unkündbaren BA-Mitarbeiter und die Bankpensionisten.

All diese Risiken, die bei einer BA-Schließung schlagend würden (wovon notabene niemand ausgeht), will die Gemeinde Wien abgesichert sehen. "Da sind aber noch viele Punkte offen", berichtet ein Involvierter. Ein Sprecher der BA sieht den Zeitplan nicht gefährdet, er sagt, der Umbau werde "heuer" stehen. Alles ab 1. Oktober würde sich aber erst in der Bilanz 2017 niederschlagen. (Renate Graber, 13.6.2016)

  • Die Baustelle Unicredit / Bank Austria ist ebenso teuer wie der Terminplan ambitiös.
    foto: apa/schneider

    Die Baustelle Unicredit / Bank Austria ist ebenso teuer wie der Terminplan ambitiös.

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