Das Trio im Alabus

Kolumne12. Juni 2016, 17:13
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Hooligans beleidigen die Intelligenz, diese Volldeppen machen den Fußball kaputt. Der normale, vernünftige Fan bleibt über. Es gibt sie aber noch, die Richtigen, die Besten. Drei Wiener touren in einem Ford Transit durch Frankreich, sie haben Karten für die drei Gruppenspiele der Österreicher ergattert. Auf dem Fahrzeug steht Alabus2016 geschrieben, er ist mit rot-weiß-roten Fahnen verziert.

Die Idee zu dieser Reise entstammt einem friedlichen Saufgelage, die Umsetzung war dann total nüchtern. Die drei sind um die 30 Jahre alt, kennen sich ewig. Einer arbeitet in Wien, der Zweite in Salzburg, der Dritte in Innsbruck. Sie sind Fans des Wiener Sportklubs, die Friedhofstribüne ist ihre Welt. Fußball soll keine Frage des Siegens oder Verlierens sein. Zumindest in der Regionalliga Ost. Aus geografischen, beruflichen und vor allem zeitlichen Gründen sind die Besuche in Hernals seltener geworden, das "Derby of Love" gegen die Vienna ist aber ein Fixpunkt geblieben. Während der EURO schlafen sie aus Kostengründen im Alabus2016, der ist eine vollbepackte, unaufgeräumte und dunkle Zelle auf vier Rädern. Geduscht wird auf Campingplätzen, in Raststätten oder gar nicht, die Luft im Innenraum ist sehr stickig, sie geben zu, "dass es ziemlich stinkt".

Die Partien der anderen Teams verfolgen sie in Bistros, sie haben im hintersten Winkel Frankreichs rumänische, spanische und walisische Fans kennengelernt. Man hat sich umarmt, es wurde gelacht, getrunken, Handynummern wurden ausgetauscht. Die riesigen Fanzonen meidet das Trio, die sind gekünstelte Geschäftemacherei. Außerdem wächst in der Masse die Einsamkeit. Und die Gefahr. (Christian Hackl, 12.6.2016)

  • Der Bus wartet.
    foto: apa/jäger

    Der Bus wartet.

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