1:0 – Kroatien zeigte der Türkei Grenzen auf

Video12. Juni 2016, 17:09
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Cacic-Elf gewann knapp aber nach deutlichem Chancenplus völlig verdient. Luka Modric erzielte den Siegestreffer in der ersten Hälfte

Paris/Wien – Ein bissl was war los in der Gegend des Brunnenmarkts in Wien-Ottakring. Türkei gegen Kroatien, das ist dort quasi ein Heimspiel für beide. Während die Kroaten eher auf der Ottakringer Straße Präsenz zeigten, waren die Türken auf dem Brunnenmarkt in der Überzahl.

Paris, Prinzenpark: 1500 Polizisten im Stadion, elf Türken gegen elf Kroaten auf dem Feld. Ein Auswärtsspiel für beide Teams. Unabhängig davon beginnen beide Mannschaften nervös. Ballverluste, Hektik. Die Kroaten aber haben zunächst Vorteile. Sie haben auch "eines der besten Teams in der Geschichte des kroatischen Fußballs", wie es Kapitän Darijo Srna vor dem Spiel gesagt hat. Kroatien hat Luka Modric (Real Madrid), hat Mario Mandzukic (Juventus Turin), hat Ivan Rakitic (FC Barcelona).

2. Minute: Rakitic zielt im Fallen knapp vorbei. Die Kroaten probieren es immer wieder mit Flanken. In der Mitte wartet meist Mandzukic auf seine Kopfballchance. 17. Minute: ein Mandzukic-Kopfball wird geblockt. 29. Minute: Erstmals werden die Türken ernsthaft gefährlich. Ozan Tufan köpfelt aus kurzer Distanz direkt auf Kroatiens Schlussmann Subasic, der den Ball mit etwas Müh’ gerade noch vor der Linie fängt.

Minute 39: Ein Mandzukic-Schüsschen, kein Problem für den türkischen Schlussmann Volkan Babacan. Zwei Minuten später schaut Babacan weniger gut aus, Modric zieht aus 20 Metern volley ab. Kroatien 1, Türkei 0. Dem Spielverlauf ist entsprochen. Pause.

Srna trifft die Latte

Die Ottakringer Straße brodelt, der Brunnenmarkt ist stiller. Wiederanpfiff. 52. Minute, Freistoß Kroatien: Srna trifft aus 20 Metern die Latte. Die Kroaten waren tonangebend, sind tonangebend. Wie auf der Ottakringer Straße. 54.: Babacan schlägt eine Flanke von Ivan Perisic weg, Srna haut den Abpraller daneben. Fast fahrlässig.

Am Brunnenmarkt darf man noch hoffen. In Paris auch. 61.: Marcelo Brozovic schlägt den Ball drüber. Die Türken werden selten bis gar nicht gefährlich. Auch der leicht angeschlagene Superstar, Arda Turan vom FC Barcelona, kann die Mannschaft nicht rausreißen. In Minute 65 wird er ausgewechselt.

Perisic trifft die Latte

67.: Flanke Srna, Brozovic verpasst den Ball und damit das 2:0. Die Kroaten quasi im Dauerangriff auf das Tor der Türken, klar dominant. 72. Minute: Flanke Mandzukic, Perisic köpfelt aus kurzer Distanz an die Latte. Die Sache könnte längst entschieden sein. 79. Minute: Babacan kann einen Brozovic-Kopfball über die Latte lenken. 81. Minute: Freistoß Türkei: Caner Erkin schießt, Subasic hält.

Gegen Ende müssen die Kroaten noch zittern. Die Türken versuchen noch, den Ausgleich zu erzielen. Es klappt nicht. Es wäre auch eher unverdient gewesen. "Wir müssen die individuelle Qualität nur zu einem Kollektiv zusammenführen. Dann können wir viel erreichen", hatte Kroatiens Teamchef Ante Cacic vor dem Match gesagt. Der erste Sieg ist erledigt, die Leistung war überzeugend. Da könnte noch was gehen, auch gegen Titelverteidiger Spanien und gegen Tschechien. Die Ottakringer Straße wird brodeln. (rie, 12.6.2016)

Fußball-EM 2016, Gruppe D, 1. Runde:

Türkei – Kroatien 0:1 (0:1)
Paris, Parc des Princes, 40.000, SR Eriksson/SWE.

Tor: Modric (41.)

Türkei: Babacan – Gönül, Topal, Balta, Erkin – Inan – Calhanoglu, Özyakup (46. Sen), Tufan, Turan (65. Yilmaz) – Tosun (69. Mor)

Kroatien: Subasic – Srna, Corluka, Vida, Strinic – Modric, Badelj – Brozovic, Rakitic (90. Schildenfeld), Perisic (87. Kramaric) – Mandzukic (93. Pjaca)

Gelbe Karten: Tosun, Balta, Sen bzw. Strinic

Stimmen:

Fatih Terim (Türkei-Teamchef): "Ich möchte Kroatien gratulieren. In der ersten Hälfte haben wir gut gespielt, aber Kroatien war besser als wir in der zweiten, das müssen wir uns eingestehen. Wenn sie den Aufstieg schaffen, können sie sehr weit kommen. Wir haben noch zwei Partien zu spielen gegen Spanien und die Tschechische Republik. Leider haben wir das Turnier schlecht begonnen. Ich bin enttäuscht, aber wir können von diesem Match einige Lektionen mitnehmen. Wir dürfen den Ball nicht mehr so einfach verlieren, müssen mehr laufen und kämpfen."

Ante Cacic (Kroatien-Teamchef): "Ich habe ein sehr intensives Spiel erwartet, weil die ersten Spiele immer die schwierigsten sind. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis und der Leistung, die meine Mannschaft gezeigt hat. Ich habe die richtigen Wechsel vorgenommen und ich glaube, wir haben das Spiel 90 Minuten kontrolliert. Ich habe meinen Spielern gesagt, dass ich mehr Angst vor Tschechien habe als vor der Türkei. Ich möchte den Sieg jetzt so schnell wie möglich vergessen. Es ist wichtig, sich auf die nächsten Spiele zu konzentrieren."

Über den Torschützen Luka Modric: "Ich denke, das war eines seiner besten Spiele. Sein Tor war wunderschön und vor allem war es das einzige des Spiels. Wir brauchen Luka, damit unser Spiel aggressiver wird."

Ivan Rakitic (Kroatien-Mittelfeldspieler/via ARD-Fernsehen): "Ich glaube, es war ein tolles Spiel. Die bessere Mannschaft hat am Ende die Punkte eingefahren. Gutes Spiel, guter Start, drei Punkte. Wir hätten vielleicht zwei oder drei Tore mehr schießen müssen. Aber im Großen und Ganzen können wir zufrieden sein. Das ist die Europameisterschaft, da ist ein bisschen auch die Nervosität mit dabei. Wir müssen so weitermachen, dann bin ich überzeugt, dass wir in Europa bestehen können. Aber wir genießen jetzt einmal den Sieg."

Arda Turan (Türkei-Mittelfeldspieler): "Ich möchte mich beim türkischen Volk entschuldigen. Ich habe nicht gut gespielt, aber meine Mitspieler haben einen guten Kampf geliefert. Kroatien ist eine sehr gute Mannschaft, wir haben alles Mögliche getan, und hätten ein Unentschieden erreichen können."

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