Bonus-Malus-System geplant: Milchbauern drohen Strafen

12. Juni 2016, 17:10
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Auf dem Milchgipfel in Wien werden Mittel gegen die Überproduktion gesucht. Auch Österreich liefert zu viel

Wien – Die massive Milchüberproduktion und der tiefe Preis dafür in Österreich sind am Dienstag Thema beim Milchgipfel des Parlaments. Erste Vorschläge, wie im Markt ein Gleichgewicht erreicht werden könnte, gibt es bereits. Doch dürfte sich eine Einigung als schwieriger herausstellen als kommuniziert: Die meisten Bauern haben in den letzten Jahren stark investiert, sich dabei verschuldet und müssen nun möglichst viel Milch verkaufen, um Kreditzinsen zahlen zu können.

Diese hohe Schuldenlast ist der Grund dafür, weshalb Aufrufe, doch weniger Milch anzuliefern, bisher wenig gefruchtet haben. Die Solidarität innerhalb der Milchbauern ist gering, beklagte kürzlich der Geschäftsführer der IG Milch, Ewald Grünzweil.

Bonus-Malus-System

Die Grünen, auf deren Initiative der parlamentarische Milchdialog stattfindet, wollen jedenfalls, dass ein österreichweites Bonus-Malus-System eingeführt wird, das diejenigen Bauern mit höheren Preisen belohnt, die weniger anliefern. Kontingentabsprachen dazu müssten österreichweit gelten und für alle gleich sein, sagt der Abgeordnete Wolfgang Pirklhuber. Derzeit gibt es solche Absprachen, aber immer nur individuell, zwischen Bauer und Molkerei. Deshalb gebe es immer wieder viel so genannte "Spotmilch" – Milch, die in Tanklastern in der EU herumgefahren wird und für die Verwendung gesucht wird.

Für das Bonus-Malus-System bräuchte es eine österreichweite Überwachungsstelle, wahrscheinlich die Agrarmarketing Austria (AMA), die auch die Landwirtschaftsförderungen überwacht und auszahlt. An die AMA sollten die Molkereien melden müssen, wer wie viel geliefert hat. Finanzieren sollte sich dieses System im Idealfall über die "Strafabgaben" derjenigen Milchbauern, die weiterhin zu viel anliefern.

Spezialitäten gefragt

Österreich produziert mittlerweile 50 Prozent über seinen Bedarf. Dies alles zu exportieren mache zu sehr von den Weltmärkten abhängig, sagt Pirklhuber: "Export ja, aber nur Spezialitäten, und nicht zu Dumpingkonditionen." (Johanna Ruzicka, 12.6.2016)

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