Superstar Bale, "von Leidenschaft beseelt"

12. Juni 2016, 16:53
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Gareth Bale wurde nach Wales' 2:1 gegen die Slowakei gefeiert. Der Torschütze zum 1:0 denkt einstweilen schon an das nächste Spiel – "The Battle of Britain" gegen die Engländer

Bordeaux – Gareth Bale sah nun wirklich nicht gefährlich aus. Die Haare zum Dutt hochgesteckt und die Trainingsjacke brav um die Hüfte geschnürt, latschte der walisische Superstar zum Mannschaftsbus. Doch der Eindruck täuschte. Bale ist nach der erfolgreichen EM-Premiere gegen die Slowakei (2:1) am Samstag hungrig, will mehr. England, der große, ungeliebte Bruder, ist der nächste Gegner (Liveticker auf derStandard.at).

"Wir wollen das Spiel unbedingt gewinnen. Es wird ein munteres Derby", sagte Bale mit Blick auf "The Battle of Britain" am Donnerstag und grinste verheißungsvoll. Die Ausgangslage der "Drachen" ist ausgezeichnet. Mit drei Punkten führt die Mannschaft von Trainer Chris Coleman die Gruppe B nach dem ersten Spieltag an, das Achtelfinale ist ein großes Stück näher gerückt, auch weil England gegen Russland "nur" remisierte.

Und so feierten die walisischen Zeitungen am Sonntag einen "Traumstart" ins Turnier und huldigten Bale für dessen fulminantes Freistoßtor in Ronaldo-Manier aus knapp 30 Metern zur 1:0-Führung in der zehnten Minute. "Er weiß, was Wales braucht. Und er liefert", sagte Coach Coleman. Bale trage das Trikot von Wales von "Leidenschaft beseelt, deshalb lieben ihn die Fans so sehr".

Bescheidener Star

Bale selbst waren die Lobeshymnen seiner Kollegen fast ein bisschen unangenehm. "Es ist doch egal, wer die Tore macht", sagte der 100-Millionen-Euro-Mann von Real Madrid und gab verbal die Richtung vor: "Wir haben den ersten Schritt gemacht, zwei Schritte kommen noch." Denn: Sein Team wolle "möglichst weit kommen in diesem Turnier".

Bales Superform und der Erfolg gegen die Slowakei lässt die kleinen Waliser vor dem Duell mit den großen Engländern nun richtig aufmüpfig werden. "Ich denke, dass wir viel mehr Leidenschaft und Stolz haben als sie. Das werden wir an diesem Tag definitiv zeigen", sagte Bale.

Nun war es am Samstag nicht so, dass Bale alles gelang. Schon vor der Partie gegen die Slowakei hatte der 26-Jährige einem Fan mit einem Schuss die Nase gebrochen, und dann nahm er sich während der 90 Minuten auch seine Päuschen. Aber Bale war da, als sein Team ihn brauchte. Wales richtete sich an ihm auf, Bale rackerte auch in der Defensive.

"Der Typ ist Weltklasse. Wenn er im Wales-Trikot auf den Platz geht, erledigt er seinen Job", sagte Joe Allen, der im Mittelfeld Marek Hamsik, den Star der Slowaken, aus dem Spiel genommen hatte und zum "Mann des Spiels" gewählt wurde. Am Ende schien ihm das ein bisschen peinlich zu sein. "Wir sind stolz, dass er unsere Nation vertritt", sagte Allen über Bale.

Stolz durfte auch Hal Robson-Kanu sein. Gerade einmal zehn Minuten auf dem Feld, avancierte der 27-Jährige nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Ondrej Duda (61.) mit seinem Treffer in der Schlussphase (81.) zum Matchwinner – und machte das kleine walisische Fußball-Märchen perfekt. (sid, red, 12.6.2016)

  • Gareth Bale jubelte euphorisch nach dem 2:1 gegen die Slowakei, danach gab er sich bescheiden.
    foto: afp/fedouach

    Gareth Bale jubelte euphorisch nach dem 2:1 gegen die Slowakei, danach gab er sich bescheiden.

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