Italien als Gradmesser für Mitfavorit Belgien

12. Juni 2016, 13:43
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Am Montag kommt es zum Schlager der Gruppe E: Die Italiener sind, gegen eine mit Stars gespickte belgische Mannschaft in der Außenseiterrolle

Lyon – Am Montag um 21 Uhr (im Liveticker auf derStandard.at) trifft das von vielen als realistischer Titelkandidat gehandelte Belgien auf die stets als Titelkandidaten zu betrachtenden Fratelli d'Italia. Letztere jauchzen da und dort bereits himmelhoch (Verbandschef Carlo Tavecchio: "Wenn wir uns schon für ein wichtiges Turnier qualifizieren, wollen wir es natürlich auch gewinnen" ), andere warnen vor der Möglichkeit, am Ende doch zu Tode betrübt zu sein (Coach Antonio Conte: "Wir müssen bescheiden bleiben und ehrlich zu uns sein").

Conte greift mit einem angejahrten Juve-Riegel – Goalie Gianluigi Buffon (38), Andrea Barzagli (35), Leonardo Bonucci (29) und Giorgio Chiellini (31) – auf altbewährte Catenaccio-Tugenden zurück.

Und vorne? Conte: "Da muss man Tore schießen, und dafür benötigen wir auch ein bisschen Glück."

Starke Gruppe

Eines, das Marc Wilmots, belgischer Coach und Träger des einst von Schalke verliehenen Ehrentitels "Kampfschwein", zu verhindern sucht. Sein Team, das als immerhin immer noch Weltranglisten-Führender ins Turnier gegangen ist, hat eine starke Gruppe zu bespielen. "Mir wäre es lieber gewesen, erst im dritten Gruppenspiel auf Italien zu treffen." Aber auch Irland und Schweden sind – welche EM-Teilnehmer wären das auch? – keine Jausengegner.

Kampfschwein Wilmots kann aus einer "goldenen Generation" schöpfen, die sich erstmals seit 1984 wieder sportlich für ein EM-Turnier qualifiziert hat.

Prunkstück ist zweifellos der Sturm; Belgien schoss im Schnitt mehr als zwei Tore pro Match in den vergangenen zehn Länderspielen. Was aber nicht heißen soll, dass man hinten schwächele. Wilmots weiß, wie Motivation geht: "Dass Belgien über die Verteidigung zu packen ist? Den Artikel lasse ich ausdrucken und in der Kabine aufhängen."

In der geht es ja nicht nur ums Kicken. Wilmots versteht die EM auch als speziellen Auftrag: Man spiele für ein einiges Belgien, das viele ja auch als EU en miniature sehen. Wilmots war Senator für das liberale Mouvement Réformateur, das sich jener Einheit verschrieben hat, für die das Team nun gegen die nationalistischen flämischen und wallonischen Spaltpilze kicken soll. (sid, wei, 12.6.2016)

EM-Gruppe E, 1. Runde, Montag

Belgien – Italien
Lyon, Stade de Lyon, 21 Uhr, SR Clattenburg (ENG)

Mögliche Aufstellungen:

Belgien: 1 Courtois – 23 Ciman, 2 Alderweireld, 5 Vertonghen, 21 J. Lukaku – 6 Witsel, 4 Nainggolan – 7 De Bruyne, 10 Hazard, 14 Mertens – 9 R. Lukaku

Ersatz: 12 Mignolet, 13 Gillet – 3 Vermaelen, 15 Denayer, 16 Meunier, 18 Kabasele, 8 Fellaini, 11 Carrasco, 19 Dembele, 17 Origi, 20 Benteke, 22 Batshuayi

Italien: 1 Buffon – 15 Barzagli, 19 Bonucci, 3 Chiellini – 6 Candreva, 18 Parolo, 16 De Rossi, 23 Giaccherini, 22 El Shaarawy – 9 Pelle, 7 Zaza

Ersatz: 12 Sirigu, 13 Marchetti – 2 De Sciglio, 4 Darmian, 5 Ogbonna, 8 Florenzi, 10 Motta, 14 Sturaro, 21 Bernardeschi, 11 Immobile, 17 Eder, 20 Insigne

  • Kevin de Bruyne steht nicht nur bei Marc Wilmots im Fokus.
    foto: reuters/duvignau

    Kevin de Bruyne steht nicht nur bei Marc Wilmots im Fokus.

  • Wilmots weiß nicht nur, welche Richtung seine Truppe einschlagen sollte. Den flämischen und wallonischen Nationalisten könnte der Titel ein wenig den Wind aus den Segeln nehmen.
    foto: apa/afp/coffrini

    Wilmots weiß nicht nur, welche Richtung seine Truppe einschlagen sollte. Den flämischen und wallonischen Nationalisten könnte der Titel ein wenig den Wind aus den Segeln nehmen.

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