Nova Rock: Waunst amoi nu so ins Zöt kummst

12. Juni 2016, 12:32
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Der Samstag im Überblick – von A wie Alice bis Z wie Zöpfe

Nickelsdorf – Mit einem Reigen an Heimspielen wartete die Red Stage am Samstag auf. Nach Wanda am Freitag war das Duo Seiler und Speer der zweite österreichische Headliner dieser Festivalausgabe. Eine Seltenheit, die am Samstag mit fantastischer Stimmung quittiert wurde. "Leck mich" waren denn auch die ersten Worte der von der Kulisse sichtlich Überwältigten. Mit Schmäh und einem verrockten Zitat von Georg Danzers Nackertem im Hawelka deklarierten sie sich als Erben des Austropop. Wie viele zur Zugabe insgeheim "Waunst amoi nu so ins Zöt kummst" mitgesungen haben, ist nicht überliefert.

Dass Viech und Krautschädl davor am Nachmittag unter geringem bis überschaubarem Besucherandrang litten, hatten sie mit internationalen, aber deshalb nicht unbedingt bekannten Bands gemein. Fatal unter seinem Wert geschlagen wurde allerdings Tom Odell. Es war weder der richtige Ort und schon gar nicht die richtige Zeit für den Briten und sein Klavier.

Tribute und Politik

Als es überm Festivalgelände dämmerte, dämmerte einem schließlich und endlich aber, was rund 180.000 Festivalbesucher bedeuten: jede Menge Jubel und ausgelassene Stimmung. Neben Seiler und Speer standen Altrocker Alice Cooper, die Hip Hopper Cypress Hill und Volbeat auf den beiden großen Bühnen.

Ersterer kreischte sich in schwarz-weißem Streif und Topform durch seine Nummern und Tributes etwa an David Bowie und versprach: "We still got a long way to go". Das mag mit an seiner neuen Band liegen, die ebenso souverän jede der musikalischen Äras des 68-Jährigen wiederauferstehen ließ. Und die Haare dabei nicht weniger schön hatte als er selbst – ganz anders als Donald Trump, den Cooper in einer Show zu Elected mit Hillary Clinton aneinandergeraten ließ.

Hinweise erbeten

Auch schon reichlich Bühnenerfahrung gesammelt haben Cypress Hill. Gegründet 1991, steht im August mit Elephants On Acid eine Geburtstagsplatte an – und mittlerweile natürlich auch hier ein Apple neben dem Plattenteller. Man geht mit der Zeit, um nicht mit der Zeit zu gehen. Das Publikum ging mit, die meisten Arme pflücken aber immer noch die Beats aus der Luft anstatt Handyvideos zu verwackeln. Beruhigend.

Mit ihrer Mixtur aus Rock, Metal, Rock 'n' Roll, Pop und Blues nicht zum ersten Mal in Nickelsdorf waren schließlich die dänischen Eklektiker Volbeat. Und bis zuletzt dank eingängiger Melodien als größter gemeinsamer Nenner für all jene da, die der Witterung am längsten trotzten.

Zwar stand als Late Night Special noch Austrofred im Programm. Da hatte der Regen aber schon den Großteil der festivalfahrenden Gemeinschaft in die Zelte oder richtung nachhause vertrieben. Ob es zum Auftritt kam, ist dem Autor deshalb nicht bekannt. Diesbezügliche Hinweise erbeten!

Post scriptum

Dass die deutschen "Rapper" Alligatoah und Romano den Vorabend bestritten, sei hier unterschlagen. Es gibt dazu wenig zu sagen. "Musik ist keine Lösung", sang Ersterer in der ihm typischen satirischen Gesellschaftskritik-Manier. Aber muss sie deshalb gleich zum Problem werden? In diesem Moment fielen übrigens die ersten Tropfen des Tages. Das ist nicht nur sein Verdienst. Der Himmel weinte gewiss auch auf die "kuck mich an, ich mach mir keinen Kopf, Hand im Schritt, links und rechts 'n Zopf"-Blondine aus Berlin-Köpenick. (Michael Wurmitzer, 12.6.2016)

  • Alice Cooper live in concert.
    foto: apa/herbert p. oczeret

    Alice Cooper live in concert.

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