Russland knöpft England einen Punkt ab

11. Juni 2016, 23:17
293 Postings

Three Lions dominierten die Partie gegen die Sbornaja, mussten sich allerdings nach einem Gegentor in der Nachspielzeit mit einem 1:1-Remis begnügen

Marseille – Die als Mitfavorit gehandelten Engländer haben die Fußball-EM 2016 mit einem enttäuschenden 1:1-Remis gegen Russland begonnen. Der eingewechselte Denis Gluschakow traf am Samstagabend in Marseille in der zweiten Minute der Nachspielzeit. England war zuvor durch einen Freistoß von Eric Dier in Führung gegangen und hatte die Partie über weite Strecken dominiert.

Die Engländer blieben damit auch bei ihrem neunten Versuch bei einer Europameisterschaft ohne Sieg im ersten Match. Zuvor hatte England in den Auftaktmatches viermal unentschieden gespielt und vier Niederlagen kassiert.

Wales an der Spitze

Die Tabellenführung in der Gruppe B schnappte sich nach dem ersten Spieltag Wales, das sich am Nachmittag gegen die Slowakei mit 2:1 durchgesetzt hatte. Die Engländer erwarten die Waliser am Donnerstag (15.00 Uhr) in Lens zum rein britischen Duell. Russland ist bereits am Vortag (15.00 Uhr) in Lille gegen die Slowakei gefordert.

Vor allem in der ersten Hälfte agierten die spielerisch überlegenen Engländer vor dem gegnerischen Tor nicht gerade glücklich, ließen so zahlreiche Chancen liegen. Russland hingegen war zu sehr mit Abwehrarbeit beschäftigt, um offensiv überhaupt nennenswert in Erscheinung zu treten. Die meiste Zeit führte das Team von Trainer Leonid Sluzki ein Rückzugsgefecht.

England begann mit einem 4-3-3-System, in dem Raheem Sterling und Adam Lallana als Außenstürmer den zentraler Angreifer Harry Kane flankierten. Kapitän Wayne Rooney gab dahinter eine Art Ballverteiler, kam mit der ungewohnten Rolle aber sehr gut zurecht. Bei den wenigen Vorstößen der Russen kehrte der 30-Jährige fallweise auch seine Defensivqualitäten hervor.

Chancenplus für England

Die junge englische Mannschaft zog schon in den ersten 20 Minuten das Tempo an. Das offensive Dreieck spielte sich mehrere Möglichkeiten heraus, wobei speziell Lallana von sich reden machte. In der siebenten Minute rettete der russische Torhüter Igor Akinfejew bei einem Schuss des Liverpool-Spielers, der wenig später nach einer schönen Kombination über mehrere Stationen aus halbrechter Position knapp verzog.

Russland agierte praktisch mit dem Rücken zur Wand. Ein Treffer von Kane in der 28. Minute wurde zu Recht wegen einer Abseitsstellung aberkannt. In der 35. Minute prüfte Rooney Akinfejew mit einem wuchtigen Rechtsschuss, der Keeper von ZSKA Moskau klärte per Faustabwehr.

Zu Beginn der zweiten Hälfte kam auch Russland zu Chancen. Am lautesten klopfte Fjodor Smolow (63.) mit einem verdeckten Weitschuss an, der nur knapp rechts am Tor von Joe Hart vorbeizog. Trotzdem hatte England nach wie vor mehr vom Spiel. In der 71. Minute drehte Akinfejew einen Schuss von Rooney aus 15 Metern mit einem starken Reflex an die Stange, wenig später schlug Dier zu.

Diers zweiter Treffer für Three Lions

Der defensive Mittelfeldspieler von Tottenham Hotspur verwertete einen umstrittenen Freistoß direkt, die Mauer war allerdings nicht optimal postiert gewesen. Für den Klubkollegen von ÖFB-Verteidiger Kevin Wimmer war es der zweite Treffer im Nationalteam. Der erste war ihm im vergangenen März beim 3:2-Sieg gegen Deutschland in Berlin in der 91. Minute per Kopf gelungen. Der in der 80. Minute eingewechselte Gluschakow köpfelte allerdings nach einer Fehlerkette in der englischen Abwehr aus kürzester Distanz ein und vereitelte den sicher scheinenden Sieg. (APA, 11.6.2016)

Fußball-EM 2016, Gruppe B, 1. Runde:

England – Russland 1:1 (0:0)
Marseille, Stade Velodrome, SR Nicola Rizzoli (ITA)

Tor:
1:0 (73.) Dier (Freistoß)
1:1 (92.) Gluschakow

England: Hart – Walker, Cahill, Smalling, Rose – Alli, Dier, Rooney (77. Wilshere) – Lallana, Kane, Sterling (87. Milner)

Russland: Akinfejew – Smolnikow, Ignaschewitsch, W. Beresuzki, Schtschennikow – Neustädter (80. Gluschakow), Golowin (77. Schirokow) – Smolow (85. Mamajew), Schatow, Kokorin – Dsjuba

Gelbe Karten: Cahill bzw. Schtschennikow

Stimmen:

Wasili Beresuzki (Russland-Torschütze und Kapitän): "Es ist für uns super, diesen späten Ausgleich zu erzielen. Es ist ein guter Start, auch wenn es nur ein Punkt ist. Mit einer Niederlage am Anfang wäre es schwierig geworden. Viele Spieler in unserer Mannschaft haben noch keine Erfahrung bei einem solchen Turnier."

Eric Dier (England-Torschütze): "Wir haben sehr gut gespielt und müssen jetzt trotzdem sehr enttäuscht sein. Russland hat eine sehr erfahrene Mannschaft, aber wir hätten sie trotzdem unbedingt schlagen müssen. Ich glaube aber, dass wir aus diesem Spiel viel Positives mitnehmen können. Wir nehmen jetzt Spiel um Spiel."

Roy Hodgson (England-Trainer): "Es fühlt sich viel mehr wie eine Niederlage als wie ein Unentschieden an. Es war ein sehr gutes Tor, das sie zum Ausgleich erzielt haben. Ich denke nicht, dass es einen Fehler von unserer Seite gegeben hat. Ich glaube, wir haben sehr gut ausgesehen während des Spiels. Ich denke, wir hätten den Sieg verdient gehabt. Es war eine bittere Pille, die wir zu schlucken hatten."

  • Später Jubel im Stade Vélodrome, nachdem Eric Dier eine Viertelstunde vor Schluss aus einem Freistoß in die Maschen traf.
    foto: reuters/eddie keogh livepic

    Später Jubel im Stade Vélodrome, nachdem Eric Dier eine Viertelstunde vor Schluss aus einem Freistoß in die Maschen traf.

  • Schock für die Three Lions, als der Russe Denis Borissowitsch Gluschakow in der Nachspielzeit den Ausgleich besorgte.
    foto: reuters/kai pfaffenbach livepic

    Schock für die Three Lions, als der Russe Denis Borissowitsch Gluschakow in der Nachspielzeit den Ausgleich besorgte.

  • Nach tagelangen Auseinandersetzungen in der Stadt Marseille lief es auch im Stadion nicht ohne Konflikte ab.
    foto: reuters/eddie keogh livepic

    Nach tagelangen Auseinandersetzungen in der Stadt Marseille lief es auch im Stadion nicht ohne Konflikte ab.

Share if you care.