Nova Rock: Pommes für die Haut

11. Juni 2016, 19:38
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Kein Gatsch, aber auch überschaubares Publikum

Viech führten am dritten Festivaltag den Auftrieb auf die Red Stage an. Red wie Sonnenbrand. Ihre Nachbarin ist auch heuer wieder blau. Wie der Rausch. Das verträgt sich am Nova halt gut, so viel ist sicher. Oferl and peace.

"Yeah" heißt übrigens das neue Album der fünf Steirer mit dem Schalk in der Musik (der kommt auf Youtube allerdings besser als live). Ihre Texte nahmen vor allem die Liebe und deren Kummer in die Sujetpflicht. "Erzähl mir doch nochmal von uns" und "Du bist die Zentrale", hieß es da sehr tanzbar.

Zentrale waren sie selbst damit aber keine. Die allermeisten aus dem festivalfahrenden und -lagernden Volk laborierten zu der Zeit auf dem Zeltplatz noch am Vortag. Oder an der richtigen Mischung für den Frühstücksrausch ("Heil dem Trichter"). Oder an der Auswahl temporärer Tattoos: Pommes sind nicht nur zum Gegessenwerden da.

Kraut für die Ohren

Ebenso nicht nur zum Gegessenwerden da: Kraut. Krautschädl aus Wels begingen alsdann das nächste Heimspiel. Tatsächlich war einem ihr "Goschnrock" mit Funk-, Ska- und Metal-Einschlägen auch im eigenen Ohr schnell willkommen. Ebenso zwei Salatgurken hatten sich in Fanhänden zum gemüslichen Zusammensein eingefunden.

Wobei sich das Festival im Gesamten eher als Würstchenparty geriert: nicht nur auf den Grillern, ebenso am Lineup. Der Anteil weiblicher Künstler ist verschwindend gering (Alice Cooper zählt nicht). Das bewies auch die Blue Stage, auf der internationale, deshalb aber nicht zwingend breiter bekannte Acts die Opener-Aufgabe übernahmen.

Unter Parental Advisory stellten dort die US-Death-Corer Attila sich und ihre flatrationierten F*cks. Dem Hunnenkönig hätt's zur Ehre gereicht. Weiße Pudel machten dann den Background für den gar nicht fluffigen Punk der sehr höflichen Jungs von Slaves aus Großbritannien. Vorigen Juni haben sie auf der Insel mit ihrem Debütalbum "Are You Satisfied?" den Durchbruch geschafft. "Wenn du nicht glücklich mit dem bist, was du tust, tu was anderes!", ermutigte Sänger Isaac Holman im Burgenland das Volk, für das es sich am Nachmittag wettertechnisch aber sehr gut aushalten ließ.

Kein Gatsch

Und so wurde bei Zebrahead hundert Meter weiter nicht in Gatsch, sondern auf der Crowd gesurft. Die Band aus Kalifornien hat sich vor 20 Jahren gegründet und macht seither soliden Punkrock, trägt Motörhead im Herzen und am T-Shirt, sticht damit aber auch wenig aus der Masse hervor.

Apropos ohne Aufhebens: So wird mit dem neuen bargeldlosen Zahlungssystem einerseits und Gruppendynamik andererseits auch für's leibliche Wohl gesorgt. Ein "Free Fuck"-Taferl zum Beispiel hatte seinen Dienst bereits getan und lag zertreten am pannonischen Staubboden noch ehe Schmusepopper Tom Odell ranmusste.

Der 25-jährige Brite ("Another Love", "Hold me") hat eben sein zweites Album "Wrong Crowd" herausgebracht. Spielen musste er vor für seine Verhältnisse sichtlich zu kleiner Menge: zur falschen Zeit am falschen Ort. Immerhin versuchte ihm auffrischender Wind dramaturgisch unter die Arme zu greifen. Wrong ist an den Klangteppichen des Pianoboys nämlich nichts: die schmachtenden Töne saßen genauso wie die druckvollen, beide gingen mit und ohne Unterstützung der fünfköpfigen Band in die Herzerl.

Wie auch ein Versprechen von Max Raptor. "Don't worry, we don't wanna leave the EU", ließen die Briten auf der Red Bull Brandwagen Stage zwischen harten E-Gitarrenriffs durchklingen. Damit kann man beruhigt auf die Headliner des Abends warten. (Michael Wurmitzer, 11.6.2016)

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    foto: apa/herbert p. oczeret
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