Tiroler Justizwache sieht Belastbarkeitsgrenze überschritten

11. Juni 2016, 14:39
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Gewerkschaftsvertreter sprechen von "unhaltbaren Zuständen" in Innsbrucker Gefängnis – Landeshauptmann will Justizminister einschalten

Innsbruck – Die Justizwachegewerkschaft Tirols prangert die Zustände im Innsbrucker Gefängnis an und fordert eine Personalaufstockung. In der vergangenen Woche seien zehn Sicherheitsbeamte verletzt worden, berichtete die "Tiroler Tageszeitung" (Samstag-Ausgabe). Hauptproblem seien nordafrikanische Häftlinge, die häufig zu Gewaltbereitschaft neigen würden.

Es gebe nichts mehr schönzureden, es brauche Hilfe von außen, betonten die beiden Gewerkschaftsvertreter der Tiroler Justizwache, Erich Kleinhans und sein Stellvertreter Oliver Wille. Die Folgen der Übergriffe seien für das Personal verheerend: Die Krankenstände hätten zugenommen, rund 20 Beamte seien derzeit als Folge der Attacken in psychologischer Betreuung, so die beiden Gewerkschafter.

Von den 500 im Innsbrucker "Ziegelstadl" Inhaftierten stammten etwa 100 aus arabischen und nordafrikanischen Ländern. Ein Großteil der Migranten müsse eine Strafe wegen eines Vergehens nach dem Suchtmittelgesetz absitzen, informierte Wille und forderte die Politik auf, nicht länger die Augen zu verschließen. Für die Häftlinge zuständig seien 150 Exekutiv- und 25 Zivilbeamte, mindestens zehn zusätzliche würde man in Innsbruck benötigen, um die Sicherheit und Ordnung im Gefängnis weiterhin aufrechtzuerhalten, waren sich Kleinhans und Wille einig.

Beim Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) stießen sie mit ihrem Appell auf offene Ohren. Der Hilferuf sei "sehr ernst zu nehmen", teilte Platter am Samstag in einer Presseaussendung mit und kündigte an, sich persönlich mit seinem Parteikollegen, Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP), in Verbindung zu setzen. "Hier müssen seitens des zuständigen Justizministeriums umgehend Taten folgen", forderte der Landeshauptmann. Es dürfe nicht sein, dass "Justizwachebeamte bei der Ausübung der Arbeit um ihre Sicherheit bangen müssen oder gar verletzt werden". (APA, 11.6.2016)

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