Streit um Franz-West-Nachlass: OLG beruft Stiftungsvorstand ab

10. Juni 2016, 17:49
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Wegen genehmigungspflichtigem Insich-Geschäft. Urteil nicht rechtskräftig

Wien – Im Streit um den Nachlass des 2012 verstorbenen Künstlers Franz West hat das Oberlandesgericht Wien (OLG) den Vorstand der Franz West Privatstiftung, die aktuell über den Nachlass verfügt, abberufen. Das berichtet die Tageszeitung "Kurier" in ihrer Samstag-Ausgabe laut Vorausmeldung. Hintergrund seien umstrittene Gehaltszahlungen im Wert von mehreren Hunderttausend Euro.

Die drei Vorstände haben sich demnach selbst zu Geschäftsführern der Tochtergesellschaft "Franz West Werknutzungs GmbH" bestellt, in die Erträge aus der Verwertung von West-Werken flossen. Mehr als 500.000 Euro Gehalt sollen sie sich 2012 laut "Kurier" innerhalb von knapp fünf Monaten ausbezahlt haben; 2013 seien zudem mehr als 800.000 Euro an vier "Angestellte" gezahlt worden – ein genehmigungspflichtiges Insich-Geschäft, befand das OLG, dessen Urteil nicht rechtskräftig ist.

Den Antrag auf Abberufung der Vorstände hatte noch Wests Witwe Tamuna Sirbiladze gestellt, die im März verstarb. West, einer der bedeutendsten Künstler Österreichs, der mit seinen Skulpturen oft zwischen Kunst und Alltagsgegenstand changierte, war im Sommer 2012 im Alter von 65 Jahren verstorben. Kurz zuvor wurde eine Stiftung gegründet, der West seinen Nachlass übertrug. Sowohl das 2000 gegründete Archiv Franz West als auch dessen Familie gaben in der Folge an, dass der Künstler zum damaligen Zeitpunkt nicht mehr geschäftsfähig gewesen sei. (APA, 10.6.2016)

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