Templ: "Bin behandelt worden wie ein Hendldieb"

Interview11. Juni 2016, 12:00
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Der Publizist über seinen Restitutionsfall rund um das ehemalige Sanatorium Fürth und seine Verurteilung wegen schweren Betrugs

STANDARD: Kam Ihre Enthaftung überraschend für Sie?

Templ: Überhaupt nicht. Mir war ja eigentlich vom Justizministerium die Halbierung der unbedingten Haftstrafe zugesagt worden. Aber der Strafvollzugsrichter hat gemeint, mein angeblicher Betrug an der Republik Österreich sei so schwerwiegend, dass man mich nicht freilassen könne – obwohl die Finanzprokuratur keine Schädigung der Republik erkennen konnte. Aber nach Verbüßung von zwei Dritteln der Haftstrafe mussten sie mich eigentlich freilassen. Ich war erstverurteilt und habe mich in Haft ordnungsgemäß benommen.

STANDARD: Damit ist die Sache aber noch nicht beendet?

Templ: Nein, ich habe noch zwei Jahre, drei Monate und etliche Tage bedingt.

STANDARD: Was werden Sie jetzt unternehmen?

Templ: Ich wende mich an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Im Zivilverfahren, das meine Tante Elisabeth K. gegen mich angestrengt hat, gab es kein Beweisverfahren. Das war ein eklatanter Nachteil für mich, das hat mir schweren Schaden zugefügt. Dazu kommt, dass die Republik ihre Ansprüche an der Restitution des Palais Fürth, das meiner Familie von den Nazis geraubt worden war, an meine Tante abgetreten hat. In einem Geheimvertrag, der nun dem Gericht vorlag. Sie hat mich daraufhin auf die Erstattung von 550.000 Euro geklagt. Das ist ein Präzedenzfall dafür, dass die Republik ihre eigenen Gesetze nicht ernst nimmt.

STANDARD: Wie meinen Sie das?

Templ: Wozu braucht man Restitutionsgesetze mit Antragsfristen und -bedingungen, wenn die Republik dann geheim potenzielle Erben beschenkt? Das ging doch alles nicht mit rechten Dingen zu.

STANDARD: Es stört Sie nur der Verlauf des Zivilprozesses? Am Strafprozess gab es nichts auszusetzen?

Templ: Da gab es eine Menge auszusetzen. Mein Anwalt hat einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens gestellt. Vieles, was für mich sprach, wurde im Prozess nicht berücksichtigt.

STANDARD: Zum Beispiel?

Templ: Etwa die Tatsache, dass dem Entschädigungsfonds seit 2003 bekannt war, dass es eine Tante gibt. Dazu kommt, dass ich diese Tante beim Restitutionsantrag, den ich im Namen meiner Mutter gestellt habe, auf Formularen insgesamt sechsmal erwähnt habe. Das Problem ist, dass der Entschädigungsfonds seine Arbeit nicht gut gemacht hat. Und ich musste dafür büßen. Ich bin behandelt worden wie ein Hendldieb.

STANDARD: Eine Sportreporter-Frage: Wie fühlen Sie sich jetzt?

Templ: Wut und Ärger überwiegen eigentlich die Erleichterung, wieder auf freiem Fuß zu sein. Diese Gefühle darf man ja in der Haft nicht aufkommen lassen, sonst gilt man gleich als unkooperativ. Ich habe versucht, das zu trennen. Jene, die mich bewachten, waren ja nicht diejenigen, die mich eingeschlossen haben.

STANDARD: Fühlten Sie sich korrekt behandelt im Gefängnis?

Templ: Im Freigang ja. Die meisten Justizwachebeamten waren nett und korrekt. Bis auf einen, der war ein Sadist. (Petra Stuiber, 11.6.2016)

Zur Person

Stephan Templ (56) ist Architekturpublizist und Spezialist für Arisierungen. Er hat ein Buch über den Umgang der Republik mit Restitutionen geschrieben.

  • Templ will einen neuen Strafprozess: "Der Entschädigungsfonds hat seine Arbeit nicht gut gemacht. Ich musste dafür büßen."
    foto: heribert corn

    Templ will einen neuen Strafprozess: "Der Entschädigungsfonds hat seine Arbeit nicht gut gemacht. Ich musste dafür büßen."

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