Hausärzte für Vorarlberger unentbehrlich

10. Juni 2016, 14:55
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Die Vorarlberger sind mit ihrer medizinischen Versorgung zufrieden, zeigt eine Umfrage. Lediglich die langen Wartezeiten wurden von den Patienten kritisiert

Die Menschen in Vorarlberg haben an der ärztlichen Versorgung in ihrem Bundesland kaum etwas auszusetzen. Das geht aus der ersten Patientenbefragung hervor, die von der Vorarlberger Ärztekammer in Auftrag gegeben wurde. Demnach beurteilten 80 Prozent der Befragten die medizinische Versorgung als sehr gut bzw. gut, als durchschnittlich wurde sie von 17 Prozent bewertet.

Auch den Ärzten stellten die 405 Personen, die vom Meinungsforschungsinstitut Brainpool telefonisch befragt wurden, ein sehr gutes Zeugnis aus. Sowohl mit den Haus- als auch mit den Wahl- und Fachärzten waren über 90 Prozent der Teilnehmer (93 bzw. 92 bzw. 92 Prozent) sehr zufrieden oder zufrieden.

Ein Großteil der Vorarlberger, nämlich 82 Prozent, gaben als ersten Ansprechpartner im Fall von Krankheit ihren Hausarzt an, der zu 88 Prozent ein Kassenarzt ist. Als Grund dafür nannten sie vor allem die langjährige vertrauensvolle Beziehung sowie die Tatsache, dass der Hausarzt die individuelle Krankheitsgeschichte des Patienten kenne. Die restlichen 18 Prozent suchen im Fall einer Erkrankung zuerst einen Facharzt, eine Ambulanz oder andere Ansprechpartner wie Heilpraktiker oder Betriebsärzte auf. Ambulanzen frequentieren laut Studie vor allem Menschen, die keinen Hausarzt haben (sieben Prozent).

Vertrauensperson Hausarzt

Die persönliche Beziehung zum Arzt ist für die Vorarlberger laut Studie ein bedeutendes Kriterium. 82 Prozent der Befragten ist es wichtig, dass ihr Arzt sie kennt, 85 Prozent schätzen eine vertrauensvolle persönliche Beziehung. Zahlen, die laut Harald Schlocker (Vertreter der niedergelassenen Ärzte) belegen, dass das System gut funktioniert. "Der überwiegende Teil der akut kranken Menschen wird durch den niedergelassenen Bereich aufgefangen", betonte Schlocker.

Mehr als die Hälfte der Vorarlberger (58 Prozent) hat im vergangenen Jahr auch einen Facharzt aufgesucht. Am häufigsten war das ein Gynäkologe (19 Prozent), an zweiter und dritter Stelle wurden Augenarzt und Internist (je 17 Prozent) genannt. Nahezu gleich viele der Befragten entscheiden sich bei einem Facharzt für einen Kassen- (36 Prozent) wie für einen Wahlarzt (40 Prozent).

Voraussetzung ist allerdings, dass sie Wissen, was ein Wahlarzt ist. Denn ein Viertel der Teilnehmer hatte davon keine Ahnung. Einen Wahlarzt in Anspruch nehmen Vorarlberger vor allem, weil sie dadurch nicht so lange auf einen Termin warten müssen und die Wartezeiten in der Ordination kürzer sind (25 Prozent) oder weil sie sich generell eine bessere Behandlung erwarten (23 Prozent). 59 Prozent sind die Kosten für einen Wahlarzt zu teuer.

Wartezeiten ein Problem

Generell schätzen die Vorarlberger die Freiheit, ihren Arzt auswählen zu können. 89 Prozent beurteilten diese Tatsache als wichtig, 68 Prozent der Befragten gaben an, dass ein Nebeneinander von Kassen- und Wahlärzten für das Vorarlberger Gesundheitssystem wichtig sei. 64 Prozent der Befragten sind bereit, einen Teil der Behandlungskosten bei einem Wahlarzt selbst zu übernehmen.

Größter Kritikpunkt sind in Vorarlberg die langen Wartezeiten. Für den Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, Burkhard Walla, ein altbekanntes Problem, bei dem man sich in einem Dilemma befinde: "Die Menschen wollen sehr kurzfristig einen Termin, gleichzeitig möchte aber jeder Patient eine möglichst lange Behandlungszeit", so Burkhard. Er versprach, weiter an einer Lösung zu arbeiten. (APA, 10.6.2016)

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