Forscher entwickeln Impfstoff gegen toxisches Schock-Syndrom

11. Juni 2016, 08:00
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Das unter dem Namen "Tamponkrankheit" bekannte Syndrom kann zu Multiorganversagen führen. Ein Impfstoff soll Risikogruppen präventiv schützen

Fieber, Übelkeit, Durchfall, Nieren- und Leberschäden, Ohnmacht – das toxische Schock-Syndrom (TSS) ist ein durch Bakterientoxine hervorgerufenes, schweres Kreislauf- und Organversagen, das zumeist von Bakterien der Gruppe der Staphylokokken ausgelöst wird.

Forscher der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie der MedUni Wien in Kooperation mit der Biomedizinischen Forschungs-GmbH in Wien haben nun den weltweit ersten Impfstoff für diese Erkrankung entwickelt und in einer Phase-I-Studie erfolgreich getestet. Die Ergebnisse wurden nun im Journal The Lancet Infectious Diseases publiziert.

Erstmals wurde dieses Syndrom in den 1980er-Jahren beschrieben. Damals traten bei jungen Mädchen, die so genannte "Super-Tampons" zur Monatshygiene verwendet hatten, allgemeine Symptome einer Sepsis oder Blutvergiftung auf. Daher wurde die Erkrankung auch unter dem Begriff "Tamponkrankheit" bekannt. Das führte später dazu, die Aufnahmefähigkeit der Tampons zu reglementieren.

Staphylokokken besiedeln praktisch jeden Menschen, vor allem auf der Haut und an den Schleimhäuten. Für die meisten Menschen sind sie ohne jede Gefahr. "Aber bei Personen, deren Immunsystem angeschlagen ist, können sie zu schwerwiegenden Erkrankungen wie dem toxischen Schock-Syndrom führen", erklärt Martha Eibl, Leiterin der Biomedizinischen Forschungs-GmbH und frühere Universitätsprofessorin am Institut für Immunologie der medizinischen Fakultät der Universität Wien.

Kaum Nebenwirkungen

Das betrifft unter anderem Dialysepatienten, chronisch Kranke, Menschen mit Lebererkrankungen und Personen nach Herz-Operationen. "Zu 50 Prozent ist die Erkrankung aber noch immer mit der Menstruation von jungen Frauen assoziiert", sagt Bernd Jilma von der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie der MedUni Wien.

Entwickelt wurde der Impfstoff, der nun in einer klinischen Phase-I-Studie als sicher und wirksam – und mit praktisch keinen Nebenwirkungen – bei 46 jungen Frauen und Männern getestet wurde, aus einem entgifteten Toxin der Staphylokokken. Der Impfstoff wird in die Oberarmmuskulatur injiziert, seine Wirkung ist ähnlich jener bei einer Tetanus-Impfung, so Jilma. "Die Immunisierung mit solchen Impfstoffen hält typischerweise fünf Jahre und länger. "Der oder die Geimpfte entwickelt Antikörper, die dann aktiv werden, wenn die Keime bedrohlich werden. Mittels Bluttest lässt sich ermitteln, ob jemand über zu wenig Antikörper verfügt. Risikogruppen könnten dann präventiv geimpft werden.

"Wir sind auf einem guten Weg, bald einen Impfstoff zu haben, der vorbeugend gegen diese schwere Erkrankung wirkt. Aber bis zum klinischen Einsatz wird es noch Jahre dauern", erklärt Eibl. Schon jetzt ist eine Phase-II-Studie mit einer größeren Gruppe an Probanden angelaufen, um die ersten, vielversprechenden Ergebnisse zu überprüfen, "weitere TeilnehmerInnen werden noch gesucht", sagt Jilma. (red, 11.6.2016)

  • 50 Prozent aller Fälle von TSS treten bei Frauen während der Monatsblutung und beim Gebrauch von Tampons auf. Das Bakterium kann aber nicht nur durch Scheide oder Gebärmutter in den Körper gelangen, sondern auch bei Insektenstichen, Verbrennungs- oder Schürfwunden.
    foto: apa/afp/loic venance

    50 Prozent aller Fälle von TSS treten bei Frauen während der Monatsblutung und beim Gebrauch von Tampons auf. Das Bakterium kann aber nicht nur durch Scheide oder Gebärmutter in den Körper gelangen, sondern auch bei Insektenstichen, Verbrennungs- oder Schürfwunden.

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