Wüstendorf mit Casino nahe Las Vegas um acht Millionen Dollar zu verkaufen

10. Juni 2016, 10:46
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Gründerin von Kaff nahe Las Vegas hat nach 50 Jahren genug

Las Vegas – Nancy Kidwell hat eine Ortschaft in der Wüste zu verkaufen – komplett mit Casino, Start- und Landebahn, Restaurant, Bar und Motel. Vor rund 50 Jahren hatte die heute 78-Jährige die Siedlung im Südwesten der USA zusammen mit ihrem damaligen Mann hochgezogen, jetzt will sie ein neues Leben anfangen.

Das staubige Dorf im Bundesstaat Nevada heißt Cal-Nev-Ari, zählt 350 Einwohner und verfügt auch über ein Gemischtwarengeschäft sowie Parks für Wohnwagen und Wohnmobile. Der Kaufpreis: acht Millionen Dollar (7,15 Millionen Euro).

Erster Verkaufsversuch scheiterte

Kidwell ist Bürgermeisterin und Polizeichefin in Personalunion und auch die einzige Arbeitgeberin von Cal-Nev-Ari. Die rüstige Witwe ist ihre Sieben-Tage-Wochen aber schon seit Jahren leid. Ein erster Versuch, den 120 Kilometer südlich von Las Vegas gelegenen Ort zu verkaufen, scheiterte vor einigen Jahren, als der Immobilien- und Grundstücksmarkt in seine schwere Krise geriet.

Doch diesmal ist die gertenschlanke Seniorin optimistisch, dass der Verkauf klappt: "Mein Makler sagt mir, die ganze Sache hat sich verbreitet wie ein Lauffeuer" und finde im Internet ein rapide wachsendes Interesse. Sollte Cal-Nev-Ari einen neuen Besitzer finden, so wird dies für Kidwell allerdings ein bittersüßes Geschäft – zwar freut sie sich darauf, nicht mehr zu arbeiten und endlich reisen zu können, doch schwingt auch Wehmut mit.

Ihr erster Mann hatte seinerzeit als Pilot das Terrain an der Südspitze von Nevada mit einer von der Armee aufgegebenen Start- und Landebahn zufällig entdeckt, als er von seiner Flugroute abgekommen war. Begeistert von der Schönheit der Wüstenlandschaft beschloss das Paar, sich mitten im Nichts eine neue Existenz aufzubauen.

Wasser musste herangekarrt werden

Die Aussteiger lebten anfangs in einem heruntergekommenen Wohnwagen, der von Cowboys zurückgelassen worden war, transportierten ihr Wasser in großen Tonnen heran und arrangierten sich so gut wie möglich mit ihren zahlreichen "Nachbarn" – Ratten, Hasen, Kojoten und frei herumlaufenden Rindviechern.

Die Kidwells gruben Brunnen, sorgten für Strom, bauten den Wohnwagenpark und eine Tankstelle. Später kamen Casino, Hangars und das Motel hinzu. Andere Menschen zogen her. Die Behörden richteten eine Post und eine Feuerwache ein.

Cal-Nev-Ari: Kalifornien, Nevada, Arizona

Cal-Nev-Ari, das nach seiner Lage im Dreieck der Staaten Kalifornien, Nevada und Arizona benannt ist, wurde zwar nicht zu einer solch gigantischen Erfolgsgeschichte wie die Glücksspiel- und Vergnügungsmetropolen Las Vegas und Reno. Aber der Ort war durchaus eine Attraktion. Viele Glücksspieler reisten in Privatflugzeugen an – ein Großteil traf nachmittags ein und flog schon am selben Abend wieder ab. "Sieben Stunden Spaß" lautete damals der Werbeslogan des Ortes.

Heute sind die besten Zeiten von Cal-Nav-Ari vorbei, wenn auch weiterhin so manche Besucher im Flugzeug eintreffen. Nancy Kidwell weiß nicht, was aus dem Ort wird, wenn er einmal verkauft ist. Die bisherigen Interessenten hätten unter anderem von erneuerbaren Energien, einem Wassersportpark, einer Ferienranch oder einer Schule für Überlebenstraining gesprochen.

Gründerin will Wohnsitz behalten

Sie selber werde nach dem Verkauf erfahren, wie es sei, "wenn du plötzlich nicht mehr jeden Tag um 5.00 Uhr aufstehen musst, um die Arbeit zu schaffen", sagte Seniorin. In ihrem neuen Leben will sie durch die USA reisen, aber ihren Wohnsitz in Cal-Nev-Ari behalten.

An dem Ort hängt sie auch deshalb, weil hier ihre beiden Ehemänner begraben sind. Ihr erster, 34 Jahre älterer Mann verstarb 1983. Später heiratete sie dessen Sohn aus früherer Ehe, der hergezogen war, um sich um seinen kranken Vater zu kümmern. Ihr zweiter Mann starb vor fünf Jahren. Wenn auch sie einmal stirbt, will Nancy Kidwell mitten in der Wüste an der Seite ihrer beiden Männer beerdigt werden. (John Glionna/AFP, 10.6.2016)

  • Artikelbild
    foto: apa/afp/david becker
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