Geschäfte mit gestohlener Kunst

10. Juni 2016, 10:11
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In einem Londoner Lager fanden sich vor 22 Jahren in Rom gestohlene Gemälde

London – Das Auffinden gestohlener Kunstwerke ist mittlerweile ein eigener und durchaus lukrativer Geschäftszweig. Zu den bekannteren Unternehmen gehört das 1990 gegründete Art Loss Register (ALR) mit Sitz in London, das in seiner Datenbank mehr als 500.000 gestohlene Kunstwerke listet.

Erfasst werden dort sowohl von Behörden zur Fahndung ausgeschriebene Objekte als auch von Versicherungen und Privaten gesuchte. Während des Zweiten Weltkriegs entzogene Kulturgüter sind nur ein Teil dieses Bestands, der andere datiert aus jüngeren Raubzügen. Kostenpunkt: 15 Euro (exklusive Mwst.) je gemeldetem Kunstwerk.

Kunsthandel lässt überprüfen

Zur Hauptklientel gehört der Kunsthandel, der zum Verkauf oder zur Versteigerung gelangende Kunstwerke im Vorfeld von ALR dahingehend überprüfen lässt, ob eine Verlustmeldung vorliegt. Eine Abfrage schlägt sich mit 80 Euro (exklusive Mwst.) zu Buche, 25 gibt es für eine Pauschale von 700 Euro. Ein kostenpflichtiger Service, der aber auch von Sammlern für Privatgeschäfte genutzt wird. Immer wieder führen solche Abfragen zur Auffindung gestohlener Kunstwerke, wie ein aktuelles Beispiel zeigt.

1994 waren in Rom bei zwei Diebstählen zwei Gemälde Alter Meister abhandengekommen: eine großformatige Schlachtenszene von Aniello Falcone sowie eine Wirtshausszene mit Musikanten aus der Werkstatt Valentin de Boulognes. Seither galten die Bilder aus dem 17. Jahrhundert als verschollen.

Rückführung nach Italien

Wann sie außer Landes gebracht wurden, ist unbekannt, nur, dass. Denn 20 Jahre später führte die von einem Privaten im Dezember 2014 beauftragte Abfrage zu einem Treffer in den ALR-Datenbeständen. Die italienischen Behörden bestätigten den aufrechten Verluststatus und ersuchten um Mithilfe bei der konkreten Lokalisierung. Nachforschungen ergaben schließlich, dass sich die beiden etwas ramponierten Gemälde in einem Londoner Lager befanden.

Laut ALR war der gegenwärtige Besitzer nicht in den Diebstahl verwickelt. Als er von der Vorgeschichte erfuhr, habe er sich kooperativ verhalten und auf etwaige Ansprüche verzichtet. Ende Mai kehrten die Gemälde nun nach Italien zurück, wo sie von einem Restauratorenteam in Empfang genommen wurden.

25 Prozent Finderprovision

Der Presseaussendung ist weiters zu entnehmen, dass es sich um die punkto Format "größte" Auffindung in der Geschichte des Art Loss Register handelt. Den Wert der Bilder beziffert man mit 80.000 bis 150.000 Euro für die Schlachtenszene Falcones sowie mit 10.000 bis 30.000 Euro für das Wirtshausstück aus dem Umfeld de Boulognes.

An diesen Beträgen orientiert sich der Information der Website zufolge auch die generell für ALR anfallende Provision (exklusive Mehrwertsteuer): fünf Prozent für die – teils über kostenpflichtige Abfragen Externer ermittelte – Lokalisierung gestohlener Werke zuzüglich weiterer 20 Prozent, sofern ALR die Abwicklung der Rückführung übernimmt. Für Museen, Institutionen, Versicherungen und Regierungen gelten unterschiedliche Tarife. (Olga Kronsteiner, 10.6.2016)

  • In der Werkstatt Valentin de Boulognes (1591–1632) entstand diese 1994 in Rom gestohlene Wirtshausszene mit Musikanten (Wert 10.000–30.000 Euro), ...
    foto: alr

    In der Werkstatt Valentin de Boulognes (1591–1632) entstand diese 1994 in Rom gestohlene Wirtshausszene mit Musikanten (Wert 10.000–30.000 Euro), ...

  • ... zusammen mit dieser Schlachtenszene Aniello Falcones (1607–1656; 80.000–150.000 Euro) tauchte das "Diebsgut" in London auf und kehrte jetzt nach Italien zurück.
    foto: alr

    ... zusammen mit dieser Schlachtenszene Aniello Falcones (1607–1656; 80.000–150.000 Euro) tauchte das "Diebsgut" in London auf und kehrte jetzt nach Italien zurück.

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