Glosse "Wortkunde": Anfechten

Glosse11. Juni 2016, 10:00
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Anfechten bedeutet, die Richtigkeit oder die Rechtmäßigkeit von etwas zu bestreiten

Vor nicht allzu langer Zeit war sie noch die Partei der Liebe. Oh, so süß. Da wälzte sie sich in inniger Umarmung mit den Mitbewerbern, liebkoste Konkurrenten und hielt Fremden die Türen auf wie Einheimischen die Herzen.

Ja, "für beide Geschlechtsteile" sei seine Gesinnungsgemeinschaft offen, hat er gesagt, der Heinz-Christian Strache, sprachlich verwirrt vor lauter Zuneigung.

Doch Romeo und Julia standen dem Offenbarungseid des Bussibären skeptisch gegenüber. Wie, fragten sie sich, kann eine Partei der Liebe in ihren Reihen so viele Versehrte aufweisen? Ja, was die Liebe betrifft, hat die FPÖ ein Glaubwürdigkeitsproblem, ist das Kriegerische vielen ihrer Vertreter doch buchstäblich ins Gesicht geschrieben. "In der Hose ein Schiss, auf der Backe ein Schmiss", wie die Oma gesagt hat, und die war wirklich lieb.

Dass es mit der Liebe nicht weit her, die FPÖ sogar gewaltbereit ist, zeigte sich diese Woche. Nachdem man parteiintern lange Tage nach den Regeln des griechisch-römischen Stils gerungen hatte, ergab man sich widerwillig und beschloss, das Resultat der Bundespräsidentschaftswahl anzufechten. Ob das Resultat die Herausforderung annimmt, weiß man nicht, den wenigsten gilt die FPÖ als satisfaktionsfähig.

Anfechten, das bedeutet, die Richtigkeit oder die Rechtmäßigkeit von etwas zu bestreiten. Das bedeutet nicht, dass es nicht richtig oder rechtmäßig wäre, aber die Freiheitlichen bestreiten und fechten nun einmal gerne. Wozu saufen sie sonst die ganzen Biere auf der Bude? Wozu paintballern sie sonst ersatzkriegerisch durchs Unterholz? Ja, hitzköpfig, wie sie sind, können sie nicht einmal mit Sport eine gemütsberuhigende Wirkung erzielen, nein, ein Wehrsport muss es sein.

Seit Mittwoch, elf Uhr wird jetzt angefochten. Soll sein, das ist legitim. Dass die Säbel oft nur zum Zwecke der Ehrabschneiderei rasseln, ist halt leider freiheitliches Programm. Die eigene Ehre hat man längst an eine falsche Treue vergeudet, was kümmert einen da die der anderen. Doch ohne jemanden zu ehren, wird man immer ein Verlierer bleiben. (Karl Fluch, 11.6.2016)

  • Heinz-Christian Strache und Norbert Hofer fechten das Ergebnis der Bundespräsidenten-Wahl an.
    foto: ap / ronald zak

    Heinz-Christian Strache und Norbert Hofer fechten das Ergebnis der Bundespräsidenten-Wahl an.

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