Gemeinnützige wollen sich besser vernetzen

10. Juni 2016, 09:01
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Am Verbandstag waren einmal mehr teure Normen das Thema, mögliche Lösungen wurden diskutiert. Mehr Kooperation auf EU-Ebene war eine davon

Wien – Die "Normenflut", die die Baukosten im Wohnbau in den vergangenen Jahren in die Höhe trieb, beschäftigt die gemeinnützige Wohnungswirtschaft seit Jahren intensiv. Auch beim jüngsten Verbandstag der gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV) waren der "Normen-Wildwuchs" bzw. mögliche Auswege daraus das Hauptthema. Wilhelm Zechner, Technik-Vorstand der Sozialbau AG (und ab Juli, wenn Herbert Ludl seine Pension antritt, deren Generaldirektor), umriss in seinem Referat am zweiten, medienöffentlichen Tag des Verbandstags die Problemstellungen und unterbreitete Lösungsvorschläge: Eine "tabulose Durchforstung technischer Regelwerke" gehörte dazu, ebenso die Abschaffung der Stellplatzverpflichtungen und eine Staffelung der Kostenbeteiligung der Bauträger bei Infrastrukturmaßnahmen. Außerdem sprach sich Zechner dafür aus, Qualitätsbeiräte in ihrer Kompetenz zu beschneiden, sie sollten "nur noch beratende, keine entscheidende Funktion" mehr haben.

"Gleiche Probleme" in Deutschland

Zechner sagte außerdem, dass es keine "Verbote" gewisser Baumaterialien, etwa von Kunststofffenstern, geben dürfe und dass bei Themen wie Brandschutz oder Barrierefreiheit die OIB-Richtlinien "völlig ausreichen; die Bundesländer sollten das nicht mehr mit eigenen Regelungen übertreffen dürfen".

Dass man in Deutschland "genau die gleichen Probleme" hat, wurde im Vortrag des Ehrengastes Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), klar. Mit 45 Prozent hätten sich in Deutschland die Baukosten in den letzten zehn Jahren ähnlich stark erhöht wie in Österreich. Zudem habe Deutschland noch vor wenigen Jahren als "fertig gebaut" gegolten, ohne Bevölkerungswachstum, deshalb auch ohne Notwendigkeit, den Wohnbau anzukurbeln. Förderungen wurden zurückgefahren, außerdem zur Länderkompetenz erklärt ("ein Riesenfehler", so Gedaschko). Nun steht man vor dem Problem des starken Zuzugs in die Städte von innerhalb und außerhalb Deutschlands (Flüchtlinge). Weil die Politik das neue Wachstum lange negiert habe, wurde das "Bündnis für bezahlbares Wohnen" geschaffen. Dieses hat den starken Baukostenanstieg analysiert und in erster Linie den Staat selbst als größten Kostentreiber ausgemacht – in Form von Normen und anderen Auflagen, etwa der jüngsten Energieeinsparverordnung.

Nevrivy: "Ziesel interessieren mich nicht"

In einer anschließenden Diskussionsrunde nahmen neben Gedaschko auch WKO-Bauträgersprecher Hans Jörg Ulreich, der Bezirksvorsteher der Donaustadt, Ernst Nevrivy, Architektenkammer-Präsident Christian Aulinger sowie vom GBV-Vorstand Karl Wurm und Alfred Graf teil. Ulreich meinte, es sei "völlig absurd, was in manchen Bezirksbauausschüssen passiert", und dass Anrainer "nach wie vor auf Händen durch die Stadt getragen werden".

Nevrivys lapidare Feststellung, dass ihn die Ziesel, die in Wien-Floridsdorf seit Jahren ein größeres Bauprojekt verzögern, "nicht interessieren" würden, weil "laufend irgendwelche Arten aussterben", erhielt sowohl von Teilen des Podiums als auch vom Plenum Zuspruch. Er selbst kämpfe außerdem gerade gegen so manchen "völligen Schwachsinn" wie aufeinander abgestimmte Brandmelder in einem Schulgebäude, sagte der Bezirksvorsteher.

Aulinger brachte Auftragsvergaben "als noch zu wenig beachtetes Feld" ins Spiel, und Wurm redete überhaupt einem "Trend zur Einfachheit auf allen Ebenen" das Wort. Bezugnehmend auf Gedaschkos Ausführungen, kündigte Wurm außerdem einen "Schulterschluss" mit dem GdW an, um auf europäischer Ebene "gegen die baukostentreibende Flut an Normen und Auflagen" vorzugehen.

Karl Wurm einstimmig wiedergewählt

Wahlen gab es am Verbandstag auch; alle drei Jahre wählen die Gemeinnützigen ihren Vorstand. Wurm wurde zum bereits siebten Mal als Verbandsobmann gewählt. Neu im vierköpfigen Vorstand ist Gesiba-Chef Ewald Kirschner, der Sozialbau-Chef Herbert Ludl ablöste. Die beiden gehören der SP-nahen Fraktion an. Die bürgerliche, VP-nahe Arge Eigenheim stellt ebenfalls zwei Vorstände, es sind wie bisher Alfred Graf (Gedesag) und Herwig Pernsteiner (ISG).

Einen Wechsel gab es auch im Verbandsaufsichtsrat: Klaus Lugger zog sich als Chef-Aufseher zurück, ihn beerbte ÖSW-Chef Michael Pech in dieser Funktion. Sämtliche Wahlen erfolgten einstimmig. (Martin Putschögl, 10.6.2016)

  • Das ÖSW übergab in dieser Woche in Wien-Liesing 115 geförderte und supergeförderte Wohneinheiten. Das Projekt der spanischen YIC-architects war Gewinner des Wettbewerbs "Europan 7". Foto: ÖSW/Nagl
    foto: ösw/nagl

    Das ÖSW übergab in dieser Woche in Wien-Liesing 115 geförderte und supergeförderte Wohneinheiten. Das Projekt der spanischen YIC-architects war Gewinner des Wettbewerbs "Europan 7". Foto: ÖSW/Nagl

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