Modeschau Angewandte: Verschmierter Lippenstift, schräge Alte

    10. Juni 2016, 13:56
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    Die Show der Modeklasse der Angewandten fand zum zweiten Mal unter Leitung des britischen Designers Hussein Chalayan in der Kunsthalle statt

    Kunsthalle, große Halle: Die aufgeräumte Location, die sich bereits im letzten Jahr bewährt hat, war auch in diesem Jahr Austragungsort der Modenschau der Angewandten. Die Show ging unter dem Modeklassen-Oberhaupt Hussein Chalayan ähnlich unaufgeregt wie im letzten Jahr über die Bühne: Der britische Designer musterte aus Reihe eins die Leistung seiner Studenten, Monica Titton moderierte, Rektor Gerald Bast ließ es sich auch in diesem Jahr nicht nehmen, bei der Übergabe der Preise mitzumischen: Darunter auch der RONDO-Vöslauer-Modepreis, der von RONDO-Chef Stephan Hilpold übergeben wurde.

    foto: faksimile digital, shoji fuji für angewandte show 2016
    Anna Schwarz gewann für ihre Kollektion "Ready to carry" den RONDO-Vöslauer-Modepreis. RONDO-Chef Stephan Hilpold (rechts) bei der Übergabe an die Preisträgerin.

    Die Diplome

    Anna Schwarz nahm nicht nur den RONDO-Modepreis entgegen, ihre Präsentation: die konzeptuellste dieses Jahrgangs. Die Models trugen die schlichten Stücke, weiße Shorts mit schwarzen, ledernen Gürtelschlaufen, einen Wickelrock aus rotem Lackleder, Taschen an schweren Metallketten nacheinander vor. Dazu eine Tonspur, in der das jeweilige Model ihr Verhältnis zur Mode erklärte.


    Axel Berner-Eyde zeigte eine erwachsene, im Vergleich zu seinen Diplom-Kollegen fast damenhafte Silhouetten: er kombinierte Blusen mit Schlangen- und Blumenprints zu hoch sitzenden Hosen aus Lackleder und Samt. Hätte sicher auch an Romy Schneider in "Das Mädchen und der Kommissar" gut ausgesehen.

    foto: shoji fuji für angewandte show 2016
    Axel Berner-Eyde

    Raphael Caric schickte eine Armada bezopfter junger Frauen über den Laufsteg. An den Füßen schwere Doc Martens, obenrum schmale Kleider aus Rippstrick, darüber geworfen Jacken, Mäntel, Hosen aus Netzstoff. Highlight der Kollektion: die baumelnden und verknoteten Bänder in Rot, Grün, Weiß.

    foto: shoji fuji für angewandte show 2016
    Raphael Caric

    Girl-Gang, die Zweite: Lila John ließ ihre Models als Sportlerinnen mit Popkultur-Affinität auflaufen. Die Jacken, babyblau und beige, von Gummis mit Sprüchen aus angesagten Serien gesäumt, auf den Mantelrücken und in den Haaren der Models fein aufgestickte Serienheldinnen.

    foto: shoji fuji für angewandte show 2016
    Lila John

    Handies und Ipads sind spätestens seit Dolce & Gabbana auf dem Laufsteg nichts Neues, bei Caroline Pretterebner hielten die Models ihre elektronischen Geräte in der Hand und am Ohr, an den Füßen glimmende Schlapfen, am Körper monochrome, futuristische Kleider zum Partymachen.

    foto: shoji fuji für angewandte show 2016
    Caroline Pretterebner

    Weitere Preisträger


    Dorothee Ganzinger aus dem dritten Jahrgang führte helle fließende Looks vor, behängte die Models mit langen Ketten und silbernen Kugeln, an ihren Füßen: Boots mit Schlangenleder-Anmutung. Dafür gab es das diesjährige Fred-Adlmüller-Stipendium.

    foto: shoji fuji für angewandte show 2016
    Dorothee Ganzinger

    Kohei Nishi aus dem dritten Jahrgang räumte den Preis des Indie Magazins ab. Seine Kollektion "too early to be" wurde von einer Armada schräger alter und junger Models vorgeführt, die mit lippenstiftverschmierten Mündern und verspiegelten Sonnenbrillen auf der Nase den Gang über den Laufsteg sichtlich genossen. Die Kollektion? Bestand aus Patchwork-Jacken, bekritzelten Blusen und Kleidern, das ein oder andere Model trug am rechten Fuß einen anderen Schuh als am linken.

    foto: shoji fuji für angewandte show 2016
    Kohei Nishi

    (feld, 10.6.2016)

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