Spekulationen um Deal bei ORF-Wahl

9. Juni 2016, 17:38
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Weil die ÖVP die neue Rechnungshof-Präsidentin stellt, soll die SPÖ damit besänftigt worden sein, dass Wrabetz ORF-General bleibt

Wien – Die ÖVP bekommt den Rechnungshof, dafür darf die SPÖ den ORF behalten: So lautet eine Interpretation der jüngsten Geschehnisse auf Koalitionsebene, die für gelernte Österreicher quasi aufgelegt ist. Weil die kleinere Regierungspartei die neue Rechnungshof-Präsidentin stellt, werde die größere mit der Zusage besänftigt, dass Alexander Wrabetz unbehelligt ORF-Generaldirektor bleiben dürfe.

Zwar ist der Chefsessel im ORF viel wichtiger als jener im Rechnungshof; da aber Wrabetz bei der am 9. August anstehenden Wahl ohnehin kaum auszuhebeln sei, heißt es, würde der ÖVP diese Zusage nicht wehtun.

Wer in die ÖVP hineinhört, stößt aber auch auf eine andere Deutung. Klubchef Reinhold Lopatka soll einen Coup versucht haben, heißt es: Die FPÖ sollte mit Helga Berger eine Blau-affine Rechnungshof-Präsidentin bekommen, um ihrerseits den von der ÖVP favorisierten ORF-Finanzchef Richard Grasl gegen Wrabetz zu unterstützen.

Enge Mehrheitsverhältnisse im Stiftungsrat

Die Freiheitlichen haben im 35-köpfigen Stiftungsrat zwar nur einen Vertreter, doch die Mehrheitsverhältnisse sind eng. Die SPÖ hat derzeit 13 Vertreter, die ÖVP 14. Grüne, Neos und das Team Stronach sind wie die FPÖ mit einer Person vertreten, dazu kommen ein einst von BZÖ/FPK bestellter Stiftungsrat der Kärntner Regierung sowie drei Unabhängige.

Indem Lopatka seinen abenteuerlichen Deal versucht, aber nicht durchgebracht habe, habe er Grasl massiv geschadet, sagen Kritiker in der ÖVP: Die FPÖ werde sich nun vor Abmachungen mit der ÖVP hüten – womit die SPÖ Wrabetz halten könnte. (ae, jo, 9.6.2016)

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    foto: reuters/bader

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