Arbeitslose: Volkshilfe will mehr vom Staat subventionierte Jobs

9. Juni 2016, 17:37
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Vor allem Langzeitarbeitslose und Ältere könnten profitieren, sagen Ökonomen. Es gibt aber Probleme

Wien – Die steigende Arbeitslosigkeit ist politisch hochbrisant. In Umfragen zeigt sich immer wieder, dass es für die Bevölkerung kaum ein wichtigeres Thema gibt. Die Volkshilfe prescht nun mit einem neuen Vorschlag vor. Es brauche mehr staatlich subventionierte Jobs, sagte Erich Fenninger am Donnerstag vor Journalisten. Wenn die Unternehmen allem Anschein nach nicht imstande seien, für Vollbeschäftigung im Land zu sorgen, müsse der Staat eben mit dem sogenannten zweiten Arbeitsmarkt einspringen.

Keinen Arbeitsplatz zu haben sei ein Anschlag auf die persönliche Existenz, so Fenninger. Aber können seine Vorschläge gegen die angespannte Situation auf dem Jobmarkt helfen?

Der zweite Arbeitsmarkt setzt sich aus sozialen Unternehmen zusammen, die für ihre Mitarbeiter Förderungen erhalten. Zielgruppe sind Langzeitarbeitslose, ältere Menschen und Personen mit gesundheitlichen und psychischen Problemen. Anstatt ihnen Arbeitslosengeld zu zahlen, wird ihr Lohn subventioniert. So sollen sie später wieder in einen regulären Job vermittelt werden.

Lob vom Wifo

Im Vorjahr hat das Arbeitsmarktservice (AMS) bereits um die 12.000 Menschen auf dem zweiten Arbeitsmarkt gefördert. Seit 2010 ist die Zahl der beteiligten Personen um fast 40 Prozent gestiegen. Eine Wifo-Studie aus dem Jahr 2014 zeigt, dass das Programm wirkt. Geförderte Menschen finden deutlich öfter wieder einen Job als jene, die nicht teilgenommen haben. Bei Langzeitarbeitslosen und Älteren ist der Effekt besonders groß.

Wifo-Ökonom Helmut Mahringer, der die Studie mit Kollegen durchgeführt hat, hält den Vorschlag der Volkshilfe für sinnvoll. Weil es immer mehr ältere Menschen und Personen mit gesundheitlichen Problemen gebe und der Zugang zur Frühpension erschwert worden sei, werde der Bedarf nach solchen Jobs weiter steigen, sagt der Forscher.

Dauerhafte Jobs

Die Volkshilfe fordert darüber hinaus, dass die geförderten Jobs bei Bedarf dauerhaft angeboten werden. Die durchschnittliche Subventionsdauer betrug im Vorjahr vier Monate. Vor allem für ältere Menschen, die kurz vor der Pension stehen, könne das durchaus sinnvoll sein, sagt Wifo-Ökonom Mahringer. Es bestehe dabei aber die Gefahr, dass sich Menschen nicht mehr für die Jobsuche bei Unternehmen bemühen, um die es eigentlich gehen sollte.

Außerdem müsse man aufpassen, dass Unternehmen keine unfaire Konkurrenz durch die Subventionen bekommen. "Das ist aber immer eine kleine Gratwanderung", sagt Mahringer.

Im Sozialministerium zeigt man sich gegenüber der Forderung, den zweiten Arbeitsmarkt auszubauen, aufgeschlossen. "Wir werden bald Pilotprojekte in diese Richtung vorstellen", heißt es von einem Sprecher.

35-Stunden-Woche

Gegen die hohe Arbeitslosigkeit könne weiters eine Umverteilung der Arbeitszeit helfen, sagte Erich Fenninger von der Volkshilfe. Die einen würden zu viel arbeiten und Überstunden machen, die anderen hätten gar keinen Job. Deshalb biete sich eine 35-Stunden-Arbeitswoche an. Dann müsste man aber auch die Einkommen erhöhen, weil es sich sonst am Ende des Monats nicht ausgehe. Fenninger unterstützt die Forderung der Gewerkschaft, den Mindestlohn in allen Kollektivverträgen auf 1.700 Euro brutto im Monat anzuheben.

Die Volkshilfe fordert von der Politik außerdem verpflichtende Deutschkurse für Asylwerber und einen Bildungscheck für alle, unabhängig von der Bleibechance. Wenn man die Asylwerber jetzt nicht bei der Hand nehme, würden sie später im Prekariat landen. Nach dem Check, der kurze Zeit nach der Ankunft stattfinden sollte, müsse dann ein Plan für die weitere Zeit in Österreich erstellt werden. (Andreas Sator, 9.6.2016)

  • Der Funke soll überspringen: Vom Staat geförderte Arbeitsplätze sollen schwer vermittelbaren Personen bei der Integration in den Arbeitsmarkt helfen.
    foto: dpa

    Der Funke soll überspringen: Vom Staat geförderte Arbeitsplätze sollen schwer vermittelbaren Personen bei der Integration in den Arbeitsmarkt helfen.

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