Anschlag in Tel Aviv: Keine Sicherheit

Kommentar9. Juni 2016, 17:17
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Dass der Terror nach Tel Aviv zurückkehrt, wo man so lebt, als gebe es keinen israelisch-palästinensischen Konflikt, ist bitter

Zuletzt sah es so aus, als sei der Höhepunkt der "Messer-Intifada" überschritten: Die Attacken, bei denen einzelne Palästinenser oder Palästinenserinnen mit einem Messer auf Passanten in Israel losgingen, wurden weniger. Dass nun der Terror in einer Form, die viel mehr Logistik und Aufwand verlangt, zurückkehrt – und das in Tel Aviv, wo man gerne so lebt, als gebe es keinen israelisch-palästinensischen Konflikt -, ist bitter.

Die Israelis haben bei den vergangenen Wahlen rechts, teilweise ultrarechts gewählt, weil sie sich mehr Sicherheit versprachen. Das Repertoire an Maßnahmen, das dieser israelischen Regierung nach ihrem eigenen Verständnis zur Verfügung steht, ist jedoch begrenzt: Der neue Verteidigungsminister Avigdor Lieberman bemühte sich am Donnerstag um eine Beschleunigung des Verfahrens, die Häuser der Attentäter in ihrem Dorf bei Hebron im Westjordanland zu zerstören. Die abschreckende Wirkung auf manche junge Männer, wenn sie wissen, dass ihre Familien kollektiv bestraft werden, ist wahrscheinlich. Sicher ist, dass diese Art der Bestrafung neue Mörder kreiert.

Ungeachtet des politischen Stillstands hat die Sicherheitszusammenarbeit zwischen Israel und der Palästinenserbehörde in den letzten Jahren jedoch immerhin einigermaßen funktioniert. Aber Präsident Mahmud Abbas wird immer schwächer. Wenn er stürzt, könnte Israel bald wieder mit noch viel größeren Problemen konfrontiert sein. (Gudrun Harrer, 9.6.2016)

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