Seltsame Eintracht in "ZiB 2": "Eine Panne ist passiert ..."

9. Juni 2016, 00:00
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Der um den BP-Wahlerfolg der FPÖ besorgte Dieter Böhmdorfer fand bei Lou Lorenz-Dittlbacher im Juristen Heinz Mayer einen grimmigen Mitstreiter

Die Lage ist ernst, es geht um Glaubwürdigkeit von Demokratie und ORF. Alle Ungereimtheiten im Kontext der Präsidentenstichwahl sind aufzuklären. Vordringlich soll aber der Verfassungsgerichtshof prüfen, warum zum heißen Thema am 8. Juni ("ZiB 2") ein schmusiges Zweiergespräch statt einer harten Debatte abgehalten wurde.

Zahlenlawine und Zählmaschine

Der Anwalt der (um den Sieg sich betrogen wähnenden) FPÖ, Dieter Böhmdorfer, war seine Gage wert. Das wird auch der Verfassungsgerichtshof bestätigen. Böhmdorfer trat eine Zahlenlawine los, unter der auch Lou Lorenz-Dittlbacher staunend nicht recht weiterwusste. 573.000 falsch behandelte Stimmen da, 120.000 Fehlgriffe dort. 80.000 seltsam betreute Kuverts und weitere 30.000 Stimmzettel, denen Beamte fragwürdig nahegetreten seien. Über welche geniale Zählmaschine die FPÖ zur Feststellung der angeblichen Sachverhalte verfügt, wurde Böhmdorfer nicht gefragt, wie er auch argumentativ billig davonkam. Die Frage, wie die "Ungeheuerlichkeiten" trotz FPÖ-Wahlzeugen möglich waren, löste Böhmdorfer locker auf ("Ich war nicht dabei").

Heftiger Zorn

Sein Glück wollte jedoch nicht enden, im Verfassungsjuristen Heinz Mayer fand er einen grimmigen Mitstreiter. Falls alles Vorgebrachte stimme, sei dies – so Mayer – "eine unfassbare Schlamperei". Er forderte, Beamte loszuwerden. Und da sein Zorn recht heftig ausfiel, ergriff Böhmdorfer routiniert auch noch die Chance, ein herrliches Theaterstück aufzuführen. Reichen "wir einander Hände, streiten wir nicht, eine Panne ist halt passiert", versöhnte Böhmdorfer eine gespaltene TV-Nation. Norbert Hofer und Heinz-Christian Strache dürften sich vor Lachen gebogen haben. (Ljubiša Tošić, 9.6.2016)

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