Salzburg will Asylwerber aktiv für den Arbeitsmarkt vorbereiten

9. Juni 2016, 18:27
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Aktionsplan mit Berufskursen, Qualifikationstests und mehr Sprachkursen für Flüchtlinge

Salzburg – Friseure, Gastro- und Tourismusmitarbeiter sowie Einzelhandelskaufmänner zählen in Salzburg zu den Mangelberufen. Die Landesregierung will nun in Kooperation mit der Wirtschaftskammer und der Arbeiterkammer Flüchtlinge rasch in den Arbeitsmarkt integrieren und somit dem Mangel in gewissen Sparten entgegenwirken.

Grundlage für die Arbeitsmarktintegration sind sogenannte Qualifikation-Screenings. Bis Ende des Jahres soll das Ausbildungsniveau der rund 4.500 Asylwerber, die in Salzburg in der Grundversorgung sind, mithilfe der Caritas erfasst werden. In einem elektronischen Datenblatt werden Sprachkenntnisse, Schul- und Berufsausbildung und sonstige Qualifikationen erhoben und auch ständig auf dem Laufenden gehalten.

Durch die Daten soll sich der Bedarf an Alphabetisierungs-, Sprach- und Berufsvorbereitungskursen herauskristallisieren. Auch die Verteilung auf Asylunterkünfte könnte sich dadurch ändern: Ein Asylwerber könnte dann einem Quartier zugeteilt werden, in dem es einen Berufsvorbereitungskurs gibt, der seinen Fähigkeiten entspricht. Sobald ein Asylwerber die Asylberechtigung hat, soll das Datenblatt ans Arbeitsmarktservice (AMS) gehen. Die Salzburger Integrationslandesrätin Martina Berthold (Grüne) sagte, es sei wünschenswert, dass derartige Screenings in ganz Österreich eingeführt werden.

Ausbau der Sprachkurse

Als Grundvoraussetzung für die Integration in den Arbeitsmarkt sieht das Land die Sprache. Deshalb hat es sich zum Ziel gemacht, dass bis zum Sommer 2017 alle Asylwerber und Asylberechtigten in Deutsch mindestens das Sprachniveau A1 erreicht haben. Entsprechend wird es zusätzliche Investitionen in Sprachkurse geben. Vom Land kommen 505.000 Euro, das Integrationsministerium stellt bis Ende 2017 zusätzlich 617.000 Euro zur Verfügung, und rund eine Million Euro steuert das Innenministerium bei. Landesweit werden 48 zusätzliche Kurse für Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte finanziert.

Vorbereitungskurse zum Berufseinstieg

Die dritte Säule des Maßnahmenpakets bilden Qualifizierungsprojekte für junge Flüchtlinge. In St. Gilgen, wo derzeit 60 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht sind, startet das Projekt "Auf Linie 150". Ab Herbst wird es 38 Ausbildungsplätze für junge Flüchtlinge mit einer jeweils einjährigen Vorbereitung in den Bereichen Holz, Metall, Tourismus und Handel geben. Ziel ist es, dass sie danach in eine Lehrausbildung einsteigen können. Auch das Berufsförderungsinstitut (BFI) und Wirtschaftsförderungsinstitut (Wifi) Salzburg bieten für Asylwerber bis 25 Jahre einen Berufsvorbereitungslehrgang an. Zusätzlich werden Kurse zum Nachholen von Pflichtschulabschlüssen finanziert.

Mit diesem Paket soll der Berufseinstieg für junge Flüchtlinge erleichtert werden. Angesichts des Fachkräftemangels würden sich auch große Potenziale für Unternehmen bieten, sagte Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP). "Wir sind wirtschaftlich in einer merkwürdigen Situation: Es gibt so viele Arbeitsplätze wie noch nie, gleichzeitig aber viele Arbeitslose." Derzeit gibt es in Salzburg 1.629 offene Lehrstellen, und nur 266 Menschen suchen eine Lehrstelle.

Integrationsvereinbarung für Asylberechtigte

Asylberechtige müssen in Salzburg künftig eine "Charta und Vereinbarung der Integrationspartnerschaft" unterschreiben. Die Charta informiert über die Grundrechte und Gesetze in Österreich, über Rechte und Pflichten sowie Regeln für ein gutes Zusammenleben und Integrationsangebote. Als Asylberechtigter erklärt man mit seiner Unterschrift auf der Charta, dass man "zum Gelingen einer Integrationspartnerschaft" beiträgt, die deutsche Sprache lernt und sich über die Grundwerte der österreichischen Gesellschaft informiert. (Stefanie Ruep, 9.6.2016)

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