Profitabilität für Banken in Osteuropa herausfordernd

9. Juni 2016, 15:46
posten

Studie: Institute müssen mehrere 10-Prozent-Hürden meistern

Wien – In Osteuropa tätige Banken müssen nach Einschätzung der RBI-Experten mehrere 10-Prozent-Hürden meistern – von Profitabilität bis hin zum Anteil notleidender Kredite. Die Profitabilität hat sich im Vorjahr in Zentral- und in Südosteuropa verbessert, während sie in Russland und in der Ukraine deutlich gefallen ist. Um in kleineren Ländern profitabel zu sein, sind entsprechende Marktanteile nötig.

Die Banken würden auf beiden Seiten arbeiten – Steigerung der Profitabilität und Senkung der Kapitalkosten, so RBI-Analyst Gunter Deuber am Donnerstag in einer Pressekonferenz anlässlich der Präsentation des jüngsten CEE Banking Sector Report. Ein größerer Teil des Wachstums finde mittlerweile außerhalb der großen Ländern statt. Kurzfristig sieht die RBI Wachstumspotenzial vor allem in Zentraleuropa (CE) und Südosteuropa (SEE).

Die Banken würden sich auf bestimmte kleinere Märkte und Geschäftsfelder wie Retail konzentrieren. Um in diesen kleineren Märkten profitabel zu sein, seien entsprechende Marktanteile nötig. Laut CEE Studie verlangt das aktuelle Umfeld in kleineren und mittleren Märkten einen Marktanteil von mindestens 10 Prozent. Wachstumpotenzial für Kredite sieht die RBI vor allem in Polen, Tschechien und der Slowakei, insbesondere bei Hypothekarkrediten. Ein Großteil der Kredite in diesen Ländern sei in lokaler Währung, so Deuber. Auf der Retailseite gebe es aber auch sehr viele regulatorische Maßnahmen. Gesehen wird auch eine weitere Konzentration am Bankensektor.

Neue Realität

Die "neue Realität" mit strikteren Kapitalvorschriften, regulatorischen Einflüssen, anhaltend niedrigen Zinsen inmitten einer nach wie vor wackligen Wirtschaftslage in Russland und in der Ukraine sei eine deutliche Bürde für die Profitabilität gewesen, schreibt die RBI. Die Entwicklung innerhalb der einzelnen Regionen in Osteuropa war im Vorjahr höchst unterschiedlich. Insgesamt lag die Eigenkapitalrentabilität (Return on Equity/RoE) in der Region unter 5 Prozent, in der Eurozone waren es rund 6 Prozent. In Russland lag die Kennzahl bei 2,3 Prozent und damit laut Studie auf dem niedrigsten Wert seit 1998/99. In der Ukraine war der durchschnittliche RoE negativ.

In der Regionen CE und SEE verbesserte sich die Profitabilität dagegen deutlich von durchschnittlich rund 5 Prozent 2014 auf fast 10 Prozent im Jahr 2015. Verluste wurden im Vorjahr nur mehr in einem Land, in Kroatien, verzeichnet, 2014 waren es mit Ungarn, Slowenien und Rumänien noch drei Länder. Das Erreichen von mindestens 10 Prozent Eigenkapitalrendite werde in den kommenden Jahren ein harter Kampf bleiben, so die RBI. Die Banken hätten in der Region höhere Kapitalkosten, für ein nachhaltiges Geschäftsmodell sei daher auch eine größere Profitabilität nötig.

Die Qualität der Aktiva gemessen am Anteil der notleidenden Kredite (NPL-Ratio) hat sich wegen Verbesserungen in Zentraleuropa und Südosteuropa erhöht. Die NPL-Ratio betrug im Durchschnitt 7,3 Prozent, nach 8,5 Prozent 2014. Die stärkste Verbesserung gab es in Rumänien. Eine deutliche Verschlechterung gab es dagegen in der Region EE, zu der Russland, die Ukraine und Weißrussland gehören: Die NPL-Ratio stieg von 4 bis 6 Prozent im Jahr 2013 auf 7 bis 9 Prozent im Jahr 2015. Für heuer werden hier weitere Verschlechterungen erwartet. Für CEE-Kreditgeber mit substanziellem Exposure in der EE-Region werde es herausfordernd sein, dort eine NPL-Ratio von unter 10 Prozent zu zeigen, so die RBI. Die Zahl der Banken ist im Vorjahr gegenüber 2014 in der Ukraine von 163 auf 117 geschrumpft, in Russland um rund 100 auf 733 Institute. Der Trend werde anhalten.

Die RBI-Experten betonten heute, dass die großen westlichen Banken, die ihr Engagement in Russland bekräftigt hätten, den Markt übertroffen haben. In einem günstigen Szenario scheine eine Eigenkapitalrendite von 12 bis 13 Prozent am russischen Markt noch immer möglich. (APA, 9.6.2016)

Share if you care.