Wien: Konferenz zum 100. Todestag von Ernst Mach

12. Juni 2016, 10:00
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Wissenschafter aus aller Welt diskutieren ab 16. Juni über das vielschichtige Erbe des einflussreichen österreichischen Forschers

Wien – Im Februar jährte sich der Todestag des österreichischen Physikers, Wissenschaftstheoretikers, Psychologen, Physiologen und Philosophen Ernst Mach zum 100. Mal. Eine am 16. Juni beginnende Konferenz in Wien geht dem Wirken des Wissenschaftsstars nach.

Einer breiteren Öffentlichkeit ist das am 18. Februar 1838 in Chirlitz bei Brünn geborene Multitalent vor allem wegen seiner Erkenntnisse zur Überschallgeschwindigkeit und der nach ihm benannten "Mach-Zahl" bekannt. "Aus der Sicht der Scientific Community ist Mach vor allem ein Wegbereiter für eine historisch orientierte fächerübergreifende Wissenschaftsforschung", sagte der Zeit- und Wissenschaftshistoriker Friedrich Stadler.

Wiener Vorlesung

Greifbar werde seine wissenschaftliche Flexibilität auch anhand der Tatsache, dass der Physiker Mach 1895 auf einen philosophischen Lehrstuhl an der Uni Wien berufen wurde, so der Mitorganisator der "Ernst Mach Centenary Conference 2016". Stadler wird bereits am Vorabend der Konferenz (15. Juni um 19.00 Uhr) eine Wiener Vorlesung zu Ehren Machs an der Universität Wien halten.

Mach war in seinen zahlreichen Betätigungsfeldern am Puls der Zeit und ein wichtiger Anreger für viele Forscher bis weit ins 20. Jahrhundert hinein – und auch einer der geistigen Gründungsväter des philosophischen Zirkels "Wiener Kreis". Stadler: "Mit seiner interdisziplinären Vorgehensweise hat er auch viele Tore geöffnet, die sich dann verselbstständigt haben."

Wider den Königsweg

In der Philosophie ging es ihm um die Etablierung einer anderen Herangehensweise als sie die stark metaphysisch geprägte klassische Philosophie verfolgte. "Er wollte sie verwissenschaftlichen und sie näher an die Forschung heranbringen. Das war ein durchaus revolutionäres Projekt", so der Historiker. Damit habe er die Philosophie, die sich damals in einer Art Superposition über anderen Wissenschaftsdisziplinen gewähnt habe, gewissermaßen vom Sockel geholt.

Mach hat sich mit wechselndem Erfolg auch bildungspolitisch engagiert, sich für ein entwicklungsorientiertes Lernen eingesetzt und auch selbst Lehrbücher verfasst. Nicht zuletzt beeinflusste sein wissenschaftlicher Zugang auch zahlreiche Künstler und Literaten wie etwa Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler oder Robert Musil.

Nach wie vor aktuell sei Machs Gedanke, dass es nicht eine "selig machende Methode, einen 'Königsweg' zur Erkenntnis gibt, sondern dass es ein ständiges Überprüfen, Forschen und Experimentieren braucht", sagte Stadler. Die enge Verbindung von "Erkenntnis und Irrtum" – nicht umsonst war das auch der Titel eines seiner Hauptwerke – sei bei ihm besonders greifbar.

Breite Wirkung

Genaueres Nachdenken über die eigene Forschungstätigkeit und mögliche Verbindungen zu anderen Disziplinen – wie es Mach Zeit seines Leben getan hat – würde auch dem heutigen schnell getakteten Wissenschaftssystem gut tun, ist Stadler überzeugt. Denn gerade seine Offenheit und Fähigkeit, wichtige Entwicklungen in anderen Forschungsgebieten zu erkennen, habe es Mach erlaubt "diese unglaublich breite Wirkung auch bis in die Politik und Kunst zu erzielen".

Im Rahmen der dreitägigen Tagung an der Universität Wien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) gehen Wissenschafter aus aller Welt Machs vielschichtigen Beiträgen und Denkanstößen und ihren Auswirkungen auf die heutige Sichtweise auf die Welt der Wissenschaft nach. Zu diesem Anlass wird auch die Studienausgabe zu Ernst Mach im Berliner Xenomoi-Verlag fortgesetzt. (APA, red, 12. 6. 2016)

  • Am 19. Februar jährte sich der Todestag Ernst Machs (1838-1916) zum 100. Mal.
    foto: apa/archiv der öaw

    Am 19. Februar jährte sich der Todestag Ernst Machs (1838-1916) zum 100. Mal.

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