Volkshilfe: "Keinen Job zu haben ist Anschlag auf persönliche Existenz"

9. Juni 2016, 12:50
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Geschäftsführer Fenninger will mehr staatlich subventionierte Jobs für Vollbeschäftigung

Wien – Die Volkshilfe schlägt wegen der steigenden Arbeitslosigkeit in Österreich Alarm. Keinen Arbeitsplatz zu haben sei ein Anschlag auf die persönliche Existenz, sagte Volkshilfe-Geschäftsführer Erich Fenninger am Donnerstag vor Journalisten. Die Wirtschaft sei allem Anschein nach nicht imstande, genügend Jobs für alle zu schaffen. Deshalb sei nun die Politik gefordert. So fordert Fenninger, dass der zweite Arbeitsmarkt ausgebaut wird.

Darunter versteht man staatlich subventionierte Arbeitsplätze für Menschen, die sich mit der Jobsuche sehr schwer tun. In Österreich gibt es zahlreiche soziale Unternehmen, die Jobs werden von der öffentlichen Hand aber nur für eine begrenzte Zeit gefördert. Fenninger fordert, dass Arbeitsplätze im zweiten Arbeitsmarkt länger gefördert werden, derzeit seien es oft nur sechs Monate. Teilweise sei auch eine dauerhafte Unterstützung durch den Staat sinnvoll.

"Wenn Menschen einen Job bekommen, dann steigt sofort ihr Selbstwertgefühl", sagt Fenninger zum STANDARD. "Sie tun sich dann auch später bei der Jobsuche leichter." Zu tun gebe es im Land genug, so könne er sich unter anderem zusätzliche Tätigkeiten in Gemeinden, in der Kultur und im Forschungsbereich vorstellen. Der Staat spare sich dann das Arbeitslosengeld und zahle stattdessen ein Gehalt.

35-Stunden-Woche

Gegen die hohe Arbeitslosigkeit könne weiters eine Umverteilung der Arbeitszeit helfen, sagt Fenninger. Die einen würden zu viel arbeiten und Überstunden machen, die anderen hätten gar keinen Job. Deshalb biete sich eine 35-Stunden-Arbeitswoche an. Dann müsste man aber auch die Einkommen erhöhen, weil es sich sonst am Ende des Monats nicht ausgehe. Fenninger unterstützt die Forderung der Gewerkschaft, den Mindestlohn in allen Kollektivverträgen auf 1.700 Euro brutto im Monat anzuheben.

Die Volkshilfe fordert von der Politik außerdem verpflichtende Deutschkurse für Asylwerber und einen Bildungscheck für alle, unabhängig von der Bleibechance. Wenn man die Asylwerber jetzt nicht bei der Hand nehme, würden sie später im Prekariat landen. Nach dem Check, der kurze Zeit nach der Ankunft stattfinden sollte, müsse dann ein Plan für die weitere Zeit in Österreich erstellt werden. (sat, 9.6.2016)

  • Volkshilfe-Geschäftsführer Erich Fenninger fordert die Politik zum Gegensteuern auf dem Arbeitsmarkt auf.
    foto: apa / hochmuth

    Volkshilfe-Geschäftsführer Erich Fenninger fordert die Politik zum Gegensteuern auf dem Arbeitsmarkt auf.

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