Viral verbreitete Fotos: Der Fisch in der Qualle

9. Juni 2016, 11:34
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Einem Taucher gelangen vor der australischen Küste die Schnappschüsse seines Lebens

Wieder einmal ziehen Fotos durchs Internet, die virale Verbreitung finden, obwohl sie schon einige Zeit auf dem Buckel haben. Die spektakulären Schnappschüsse von einem Fisch, der im Schirm einer Qualle steckt und mit seiner hinten herausragenden Schwanzflosse das ungewöhnliche Tandem durchs Wasser befördert, stammen eigentlich schon vom letzten Jahr.

foto: apa/afp/www.instagram.com/timsam

Dem Taucher Tim Samuel gelangen sie vor der Küste des australischen Bundesstaats New South Wales. Im Dezember veröffentlichte Samuel sie auf seinem Instagram-Account. Als sie diese Woche von Discover Ocean aufgegriffen wurden, erlangten sie jedoch plötzlich viralen Status – inklusive aller möglichen Spekulationen, was genau die Fotos zeigen würden: eine Symbiose, eine Räuber-Beute-Beziehung (mit unklarem Status, wer wer ist) oder ein zufälliges Missgeschick.

Biologen tun sich bislang überraschend schwer damit, sowohl die Fisch- als auch die Quallenspezies zu identifizieren. Auch Zweifel an der Authentizität der Fotos wurden geäußert, obwohl enge Beziehungen zwischen Quallen und manchen Fischarten durchaus bekannt sind.

foto: apa/afp/www.instagram.com/timsam

Der Meeresbiologe Ian Tibbetts vom Centre of Marine Science der Universität Queensland glaubt in dem Fisch eine junge Stachelmakrele wiederzuerkennen. Bei einer Reihe von Spezies aus dieser Familie suchen Jungtiere gezielt zwischen den Tentakeln von Quallen Schutz vor räuberischen Fischen. Bei zumindest einer Spezies, den Bastardmakrelen im Atlantik, fressen die Jungfische Plankton, das sich im Inneren des Schirms befindet, und knabbern sogar die Qualle selbst an. Das wäre dann das genaue Gegenteil der im Netz derzeit sehr beliebten Theorie vom "armen Fisch, der von einer Qualle verschluckt wurde".

Die Art der Beziehung zwischen den beiden Fotostars bleibt vorerst ungeklärt – ebenso wie die Frage, wie das Ganze ausging: Samuel beobachtete das Tandem etwa 20 Minuten lang und überlegte kurz einzugreifen, entschloss sich dann aber doch, "der Natur ihren Lauf zu lassen". (red, 9.6.2016)

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