In Afrika könnte Wendepunkt im Kampf gegen HIV erreicht sein

9. Juni 2016, 10:04
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Zum ersten Mal ist die Zahl der HIV-positiven Menschen in Behandlung höher als die Neuinfektionen, heißt es vonseiten der Vereinten Nationen

New York – Afrika hat im Kampf gegen HIV nach UN-Angaben einen Wendepunkt erreicht. Zum ersten Mal würden auf dem Kontinent mehr HIV-Kranke behandelt als sich neu infizierten, sagte Michel Sidibe, Direktor des UN-Programms gegen Aids (UNAIDS) am Mittwoch in New York.

Das stark betroffene West- und Zentralafrika dürfe beim Kampf gegen Aids aber nicht vernachlässigt werden, so Sidibe zum Auftakt eines dreitägigen Treffens der UN-Vollversammlung zum Thema HIV. Er warnte dort vor einem "Ansatz der zwei Geschwindigkeiten".

Die Vereinten Nationen wollen die Epidemie bis zum Jahr 2030 beenden. Erstes Ziel ist, die Zahl der jährlich neu HIV-infizierten von derzeit 2,1 Millionen bis zum Jahr 2020 auf weniger als 500.000 Menschen zu senken. Die Zahl der derzeit jährlich 1,1 Millionen Menschen, die an Ursachen im Zusammenhang mit HIV sterben, soll bis dahin ebenfalls unter 500.000 fallen. Außerdem soll die Diskriminierung von Infizierten bis 2020 weltweit beendet werden.

Thailands Erfolge

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Thailand im Kampf gegen HIV einen großen Erfolg bescheinigt. Die Übertragung des Virus von Mutter auf Kind sei nach gut 15 Jahren landesweit praktisch ausgeschlossen, erklärte die WHO am Mittwoch. Thailand ist damit das erste Land nach Kuba und zugleich das erste asiatische Land, in dem dieser Übertragungsweg zumindest statistisch nicht mehr ins Gewicht fällt.

Die rasante Ausbreitung des HI-Virus in Thailand begann Anfang der 1990er-Jahre, begünstigt durch die weite Verbreitung von käuflichem Sex. Die Zahl der HIV-Positiven stieg auf mehr als eine Million. Ende der 90er-Jahre wurde die Gratisverteilung von Kondomen bei Prostituierten eingeführt, im Jahr 2000 war Thailand eines der ersten Länder der Welt, in dem allen Schwangeren mit HIV-Infektion eine kostenlose Versorgung mit antiretroviralen Medikamenten zur Verfügung gestellt wurde.

Positive Entwicklung in Weißrussland und Armenien

Nach den Regierungsstatistiken gab es im Jahr 2000 noch rund tausend Babys, die HIV-positiv geboren wurden. Im vergangenen Jahr sank diese Zahl auf 85. Diese Zahl ist so niedrig, dass die WHO dem Land bescheinigen kann, die HIV-Übertragung von Mutter auf Kind überwunden zu haben. Einzelne Fälle können auch bei richtiger Medikation nicht ausgeschlossen werden, weil die Behandlung mit Medikamenten nicht zu hundert Prozent erfolgreich ist.

Auch Weißrussland und Armenien bekamen am Mittwoch von der WHO bescheinigt, dass die Übertragung des HI-Virus von Mutter auf Kind überwunden ist. In diesen beiden Ländern ist der Erfolg aber weniger relevant, weil das Virus insgesamt deutlich weniger verbreitet ist. (APA, dpa, AFP, 9.6.2016)

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