Bauer sucht Nachfolger: Kapital und Innovation fehlen

8. Juni 2016, 18:25
68 Postings

Laut einer Erhebung ist das Überleben von 40 Prozent aller Höfe nicht gesichert

Wien – Niederösterreichs Bauern üben sich in der Nabelschau, und diese fällt aus der Sicht ihrer Branchenvertreter düster aus. Denn es fehlt ihnen an Kapital, Innovationen und willigen Nachfolgern.

Hermann Frank, Vorstand des Forschungsinstituts für Familienunternehmen der Wirtschaftsuni Wien, hat tausend landwirtschaftliche Familienbetriebe in Niederösterreich befragt. 41 Prozent der Bauern gaben an, dass es nicht gesichert sei, ob ihr Hof wirtschaftlich überleben könne. 60 Prozent unter ihnen sind planlos, was die Übergabe an die nächste Generation betrifft. Ein Zehntel der über 50-Jährigen hat sich bereits gegen die Weiterführung ihres Hofs entschieden. Unter ihnen sind überwiegend Nebenerwerbsbetriebe.

Spielraum fehlt

Der wichtigste Beweggrund für die Aufgabe sind finanzielle Ungewissheit und mangelndes Interesse der Kinder. Vor allem Abhängigkeit von Ausgleichszahlungen macht wenig Lust auf den Einstieg in den elterlichen Betrieb.

Die Hälfte der Befragten sieht sich in der Lage, den laufenden Betrieb mit kleinen Investitionen aufrechtzuerhalten. Elf Prozent machen gar keinen finanziellen Spielraum aus. Fremdkapital wird mit Argwohn betrachtet, was die Chance auf Innovation bremst. Obwohl landwirtschaftliche Unternehmen aufgrund ihrer Sicherheiten als gute Kreditnehmer gelten, wie in der Studie betont wird.

Frank appelliert an den Unternehmergeist der Bauern: Da gebe es noch viel Luft nach oben. Entrepreneurship gehöre in der Ausbildung verankert, positive Vorbilder seien gefragt. Dass Anerkennung fehle, zeige der Preisverfall bei Milch, Schweinefleisch, Getreide und Holz, klagt Maximilian Hardegg, Chef der gleichnamigen Gutsverwaltung. (vk, 9.6.2016)

  • Immer weniger Bauern blicken einer fruchtbaren Zukunft entgegen.
    foto: istock/nemanja otic

    Immer weniger Bauern blicken einer fruchtbaren Zukunft entgegen.

Share if you care.