Hypo-Millionengrab: Vorstand ignorierte Kaufangebot

8. Juni 2016, 18:15
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Die Kempinski-Gruppe bot 150 Millionen für das Hotelprojekt Skiper. In Frankfurt findet ein Heta-Prozess statt, in Wien kommt Ex-Finanzministerin Maria Fekter in den U-Ausschuss

Wien – Im Streit der deutschen Heta-Anleihegläubigerin FMS (Bad Bank der Hypo Real Estate) mit der Hypo-Abwicklungsgesellschaft Heta wird es wieder spannend. FMS fordert 200 Millionen Euro, am Donnerstag findet eine Verhandlung am Landgericht Frankfurt statt. FMS argumentiert, das Bankenabwicklungs- und Sanierungsgesetz (BaSAG), unter dem Heta-Abwicklerin FMA den Gläubigern einen Haircut verpasst hat, gelte für die Nichtbank Heta nicht. Mit einer Entscheidung ist nicht zu rechnen. Die FMA hat die Befassung des Europäischen Gerichtshofs beantragt – er solle die Frage klären, ob das BaSAG gilt.

In Wien wird zeitgleich Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer aussagen. Er ist (erneut) Zeuge im U-Ausschuss, der sich seinem Ende zuneigt. Am Nachmittag könnte es dort noch einmal turbulent werden: Da kommt wieder die auftrittsoriginelle Exfinanzministerin Maria Fekter.

Betongewordenes Mahnmal

Kulterer, der in Wiener Neustadt einsitzt, ist derzeit auch oft in Klagenfurt – beim Strafverfahren Skiper, in dem unter anderen er, sein Exkollege Günter Striedinger und Geschäftsmann Miro Oblak wegen Untreue angeklagt sind. Es geht um Kredite für die von Oblak projektierte istrische Residencija Skiper, die Anklage geht von 105 Millionen Euro Schaden aus. Die Genannten bestreiten die Vorwürfe, und es gilt die Unschuldsvermutung.

Residencija Skiper ist das betongewordene Mahnmal des Hypo-Desasters. Rund 260 Millionen Euro hat die Hypo dort versenkt. Auf 120 Hektar Grund am Golf von Piran finden sich marmorner Hoteltempel, Villen, Apartmenthäuser, Golfplatz, Heliport. Das Hotel wird heute von der Kempinski-Gruppe betrieben. Allerdings wurde nur ein Teil der Anlage (wie geplant) verkauft, der Rest gehört dem Steuerzahler.

Die Hypo war immer mit 25 Prozent beteiligt, im Mai 2010 (also nach der Verstaatlichung) musste sie vertragsbedingt den Rest erwerben (Kaufpreis: ein Euro).

Millionengrab statt Verkauf

Dabei hat es 2009 in der Ära Franz Pinkl und Andreas Dörhöfer die Möglichkeit gegeben, Skiper um 140 bis 150 Millionen Euro zu verkaufen. Der damalige Chef der Kempinski Hotels, Reto Wittwer, machte am 2. September ein Anbot. In einem Brief an Hypo-Vorstandsmitglied Bozidar Span schrieb er: Kempinski sei "aus strategischen Gründen sehr daran interessiert, das Hotel unter Umständen zu kaufen". Verhandeln werde, "wie mündlich mitgeteilt", Miro Oblak (Skiper-Errichter), er werde "unsere Interessen vertreten". Wittwer bat um "relativ schnelle Entscheidung".

Sechs Tage später war das Kaufangebot Thema der von Pinkl geleiteten Hypo-Vorstandssitzung. Span berichtete und schlug "ein Antwortschreiben an Herrn Wittwer" vor, wie es im Vorstandsprotokoll heißt. Selbiges liegt dem STANDARD vor. Der Vorstand "beauftragte" Dörhöfer dann "mit der Durchführung des Erstgesprächs und ... Berichterstattung". Materialisiert hat sich: nichts.

Detailreicher Brief

Aus einem Schreiben von Ex-Kempinski-Chef Wittwer an Oblak vom 27. Februar 2015 erschließen sich Details. Darin "bestätigt" Wittwer, dass "der Vorstand der Hypo Alpe Adria leider kein Interesse an unserem Angebot gezeigt hat". Er schildert in dem Brief, wie es zum Offert gekommen war. Bei der Eröffnungsparty des Kempinski Hotel Adriatic Kroatien (eben Skiper) im August 2009 habe er, Wittwer, Vorstandsmitgliedern "unser Interesse für den Kauf der Kempinski-Anlage mitgeteilt".

Bei diesem Teil des Hotel-Komplexes dreht es sich um rund 80 Prozent der Anlage. Laut Wittwer wären das das Kempinski-Hotel "mit der gesamten Infrastruktur" gewesen sowie "22 Luxusvillen, 20 Luxuswohnungen in vier Häusern, Kongresszentrum inklusive Restaurant, Strand, Baugenehmigung für die Marina und Golfplatz samt Klubhaus". Die Preisvorstellung: "140 bis 150 Millionen Euro".

Was stattdessen geschah: Ende 2009 wurde die Hypo verstaatlicht, butterte Millionen in die Risikovorsorge. 2010 übernahm sie Skiper zur Gänze, Anfang 2010 waren noch 232 Millionen Euro Forderungen offen, die Wertberichtigung betrug rund 40 Millionen Euro.

Warum aus dem Deal nichts wurde? Das ist nicht zu eruieren. Exbankchef Pinkl ist nicht zu erreichen, in der Heta weiß man nicht Bescheid. Angeblich waren dem Vorstand 250 Millionen Euro Erlös für Skiper vorgeschwebt. (Renate Graber, 9.6.2016)

  • Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer kämpft an allen Fronten.
    foto: matthias cremer

    Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer kämpft an allen Fronten.

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