Brexit-Debatte weckt Interesse

8. Juni 2016, 17:42
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Frist zur Wählerregistrierung nach Ansturm von Abstimmungswilligen in Großbritannien verlängert

London – Zwei Wochen vor der EU-Volksabstimmung muss sich die britische Regierung mit einem peinlichen Problem herumschlagen. Unter dem Ansturm von Interessenten brach am Dienstagabend die Website zusammen, auf der sich Abstimmungswillige in letzter Minute registrieren konnten. Mit dem Einverständnis der Wahlkommission werde man nun die Frist um 48 Stunden verlängern, kündigte Premier David Cameron an.

Beide Seiten haben in den letzten Tagen immer wieder an die Bürger appelliert, sich ihr Stimmrecht zu sichern. Die diesbezüglichen TV-Debatten sollen genau jene Briten erreichen, die sich bisher für die Volksabstimmung wenig interessierten.

In dem Sender ITV ließen sich am Dienstag nacheinander der Ukip-Vorsitzende Nigel Farage und Premier Cameron für je eine halbe Stunde vom Publikum befragen. Der Nationalpopulist Farage parierte Bedenken bezüglich der wirtschaftlichen Folgen eines EU-Austritts: "Eine Nation besteht nicht nur aus dem Bruttoinlandsprodukt." Cameron fand sich mit seinem gebrochenen Versprechen konfrontiert, die Netto-Einwanderung unter 100.000 pro Jahr zu drosseln. Zuletzt lag die Zahl bei 330.000. Die Abstimmung solle man nicht "von der Einwanderung abhängig machen", sagte der Premier. Vielmehr gehe es um das wirtschaftliche Wohlergehen des Landes.

TV-Debatte mit Frauenpower

Am Donnerstag erlebt das ITV-Publikum eine Premiere: Erstmals werden Frauen eine TV-Debatte dominieren. Für "Stronger in Europe" sind die schottische Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon, die konservative Energieministerin Amber Rudd und Labours Schatten-Wirtschaftsministerin Angela Eagle. Ihnen gegenüber werben die konservative Staatssekretärin Andrea Leadsom und die Labour-Abgeordnete Gisela Stuart.

Der ehemalige Londoner Bürgermeister und Austrittsbefürworter Boris Johnson forderte am Mittwoch Cameron via "Vote Leave" zum TV-Duell. Noch im Februar hatten Johnson und der ranghöchste Brexit-Befürworter im Kabinett, Justizminister Michael Gove, eine direkte Auseinandersetzung mit ihrem Parteichef ausgeschlossen. (sbo, 8.6.2016)

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