"Kreuz & quer" zu Weltreligionen auf ORF 2: "Ne, da geh ich nicht rein"

8. Juni 2016, 18:36
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Fahren also drei Vertreter der wichtigsten monotheistischen Weltreligionen gemeinsam auf Klassenfahrt in den Nahen Osten

Ein Priester, ein Imam und ein Rabbi, alle aus Wien, reisen mit Studierenden ins sogenannte Heilige Land, zu Pilgerstätten im Westjordanland, die für alle drei abrahamitischen Religionen von Bedeutung sind. Wie sich dort Gemeinsamkeiten, aber vor allem Differenzen auftun, zeigt Peter Beringers Film "Eine fast unmögliche Freundschaft" bei "kreuz & quer" (>>> in der ORF-TVthek abrufbar).

orf/peter beringer

Fahren also drei Vertreter der wichtigsten monotheistischen Weltreligionen gemeinsam auf Klassenfahrt in den Nahen Osten.

Aber dann können die sympathischen Herren dort leider nicht gemeinsam essen gehen. Es scheint unglaublich, ist aber Realität. Muslime dürfen zum gegebenen Zeitpunkt in Hebron nicht auf jene Straßenseite wechseln, wo das koschere Restaurant gelegen wäre, da es kurz zuvor einen "Vorfall" gab, wie die aufgebrachten Militärs lauthals kundtun. Gegessen wird dann anderswo, aber auch dort kann sich der Wirt eines von Juden und Muslimen geteilten Tisches zeit seines Lebens nicht erinnern. Taffe Sache.

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In Form einer simplen Reisedokumentation offenbart der Film hinter dem geselligen Charme der Pilgergruppe die tiefsitzenden Ängste und Vorbehalte gegenüber den anderen Religionen. Eine jüdische Studentin meint angesichts der Grabeskirche in Jerusalem distanziert: "Ne, da geh ich nicht rein." Der Besuch würde ihre religiösen Gefühle verletzen. Auch am biblischen Ort Emmaus: lieber draußen bleiben.

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Nicht alle sehen das so eng. Auch der Imam nicht, aber mitbeten in der Synagoge geht auch ihm zu weit. Abgrenzung muss sein, klar, aber es verblüfft, wie sehr spirituelle Energien selbst bei aufgeklärten, aufgeschlossenen Religionsexperten wirken können. (Margarete Affenzeller, 8.6.2016)

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