Wenn Elefantenbullen ihr männliches Schweigen brechen

8. Juni 2016, 16:51
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Wiener Biologen untersuchten die Lautäußerungen Afrikanischer Elefanten und deren Bedeutung

Wien – So mancher Mann mag sich in der Illusion wiegen, jedes seiner Worte hätte Gewicht – bei Elefantenbullen ist dies ein Faktum. Forscher vom Department für Kognitionsbiologie der Uni Wien untersuchten die Lautäußerungen von Bullen und kamen zum Schluss: Bullen kommunizieren nur, wenn es von Bedeutung ist.

Unterschiedliche Lebensstile

Bei Afrikanischen Elefanten leben die Geschlechter in unterschiedlichen Sozialstrukturen: Die Kühe bilden zusammen mit ihrem Nachwuchs Herden mit starkem Zusammenhalt und entsprechend hoher Kommunikationsrate. Erwachsene Bullen hingegen treffen nur zur Paarungszeit auf die Herden, ansonsten leben sie einzelgängerisch oder in eher losen Junggesellenverbänden – mit entsprechend weniger Kommunikation.

Während sich die Forschung daher bislang hauptsächlich auf die Weibchen konzentriert hat, rückte das Team um Angela Stöger vom Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien die Lautäußerungen von Elefantenbullen in den Fokus. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher im Fachjournal "Scientific Reports".

Neue Untersuchung

Von den Elefantenmännchen kannte man nur jene extrem niederfrequenten "Rumble"-Laute, die sie im hocherregten, "Musth" genannten Zustand mit hohem Testosteronspiegel ausstoßen, vergleichbar mit dem Röhren der Hirsche in der Brunft, so Stöger. Die Wissenschafterin hat mit ihrem Kollegen Anton Baotic in einem Schutzgebiet in Südafrika die Laute von zehn Elefantenbullen aufgenommen und analysiert – und zwar außerhalb der Musth, wenn sie sozial interagieren.

Dabei zeigte sich, dass die Männchen nicht ganz so schweigsam sind wie gedacht. Sie kommunizieren nicht nur ihren hormonellen Zustand, wie Forscher anhand von Kotproben feststellen konnten, sondern auch ihre Reife, also Größe und Alter, durch das über weite Strecken reichende Infraschall-Gegrummel.

Längster Vokaltrakt aller Landsäugetiere

Aufgrund der enormen Größe der Tiere – ein erwachsener Elefantenbulle ist mit rund 7.000 Kilo doppelt so schwer wie ein Weibchen – sind die Laute sehr tief. Die Bullen kommunizieren mit einer Grundschwingung von acht bis zehn Hertz, also doppelt so tief wie die Weibchen (16 Hertz) und unhörbar für das menschliche Ohr. Deshalb mussten die Forscher spezielle, auf den Infraschallbereich ausgelegte Mikrofone und Schallvisualisierungs-Software verwenden.

Weil die Elefanten mit ihrem Rüssel über den längsten Vokaltrakt aller Landsäugetiere verfügen – bei älteren Bullen mit einer Schulterhöhe von 3,40 Metern kann dieser über drei Meter lang sein -, seien auch die Resonanzfrequenzen entsprechend tief. Weil diese Frequenzen von der Länge des Vokaltrakts abhängen, übermitteln die Elefanten damit Informationen über ihre Größe und Alter. "Dass ein längerer Vokaltrakt tiefere 'Rumbles' erzeugt, war zu erwarten, aber dass wir das so gut klassifizieren konnten, hat uns überrascht", so Stöger.

Die "Rumble"-Laute sind laut der Studie nicht nur in der Paarungszeit für die Weibchen wichtig, sondern auch im lockeren Sozialsystem der Männchen. Die Geschlechtsgenossen können damit andere Männchen erkennen und einschätzen. Sie vokalisieren zwar weniger als die Weibchen – wenn sie aber etwas zu "sagen" haben, "dann hat das wirklich Bedeutung", so Stöger. (APA, red, 8. 4. 6. 2016)

  • Links im Bild die Wiener Biologen Angela Stöger und Anton Baotic bei der Aufnahme der Lautkommunikation eines Elefantenbullen.
    foto: universität wien

    Links im Bild die Wiener Biologen Angela Stöger und Anton Baotic bei der Aufnahme der Lautkommunikation eines Elefantenbullen.

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