Dopingkontrollen: Mehr als je und doch zu wenig

8. Juni 2016, 16:27
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Experten kritisieren Uefa für Alleingang bei Kampf gegen Dopingsünder

Wien – Schon vor EURO-Beginn hat das Anti-Doping-Programm der Uefa Hochbetrieb: 1278 Proben wurden bereits genommen, während des Turniers gibt es Trainingskontrollen, zudem müssen pro Spiel mindestens zwei Akteure beider Teams Blut, Urin oder Serum lassen.

Auch dank eines Athletenpasses seien die Maßnahmen "so umfangreich wie nie zuvor", brüstet sich Marc Vouillamoz, Anti-Doping-Direktor des europäischen Verbands. Flächendeckende Tests wird es dennoch nicht geben, das Budget für den Kampf gegen illegale Präparate ist auf eine Million Euro begrenzt. Und es gibt weitere Kritikpunkte.

Uefa hamstert Kompetenzen

"Es ist für mich eigentlich nicht akzeptabel, dass die Uefa das Ergebnismanagement im Griff hat. Ich hatte gedacht, dass wir diese Zeiten hinter uns gelassen hätten", sagt der deutsche Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel. Der Verband macht alles selbst: Kontrollen, Auswertung, Bestrafung. Positive Fälle werden immerhin der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada gemeldet.

Bei der EURO gibt es erst ab zwei nachgewiesenen Vergehen innerhalb eines Teams Konsequenzen für den Verband. Sörgel: "Der Fußball bewegt sich immer dicht an der Grenze des Erlaubten, man versucht immer, mit Substanzen zu arbeiten, die gerade noch gehen." Gerade im Turnier sei man vorsichtig, davor werde zur Regeneration durchaus mit verbotenen Präparaten gearbeitet.

Deschamps verzichtet auf Sakho

Ende April hatten Doping-Fahnder mit Mamadou Sakho ihren bisher größten Fang. Die Anwälte des Liverpool-Verteidigers argumentierten, sein Fatburner wäre nicht verboten, die vierwöchige Sperre wurde nicht verlängert. Die EURO verpasst der Franzose trotzdem. Teamchef Didier Deschamps verzichtete trotz aller Verletzungssorgen in der Defensive auf den Stammspieler. (sid, red, 8.6.2016)

  • Die Uefa klopft sich für ihre Bemühungen im Kampf gegen Dopingsünder auf die Schulter
    foto: apa/dpa/patrick seeger

    Die Uefa klopft sich für ihre Bemühungen im Kampf gegen Dopingsünder auf die Schulter

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