Clinton stimmt sich auf Duell mit Trump ein

8. Juni 2016, 17:11
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Mit dem Sieg in Kalifornien steht Hillary Clinton als Kandidatin der Demokraten fest. Jetzt nimmt das Duell mit Donald Trump Fahrt auf

Von Dorothy Rodham, aufgewachsen in schwerer Kindheit, wird wohl noch oft zu hören sein in diesem Wahlkampf. In der Nacht, in der Hillary Clinton ihren Sieg im Wettlauf um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten feierte und ihre Partei auf das anstehende Duell gegen Donald Trump einstimmte, spielte sie jedenfalls eine markante Rolle.

Von ihrer Mutter, rief Clinton ihren Anhängern auf einer Wahlparty in Brooklyn zu, habe sie eines gelernt: nie zurückzuweichen vor einem Schulhoftyrannen. "Sie hat mir beigebracht, niemals einzuknicken vor einem Bully – was, wie sich herausstellt, ein ziemlich guter Rat war." Gemeint ist Donald Trump.

Krasse Wortwahl

Clinton gegen Trump: Alles deutet auf einen Zweikampf, der als der haarigste, im Ton raueste in die Wahlchronik der USA eingehen könnte. Kaum ein Tag vergeht, an dem der Bauunternehmer die frühere First Lady, Senatorin und Außenministerin nicht mit Vokabeln beschreibt, die hässlicher sind als alles, was normalerweise in der gewiss nicht zimperlichen amerikanischen Politik zu erleben ist.

Ein Mal legt er ihr in krasser Wortwahl die außerehelichen Affären ihres Ehemanns Bill zur Last, ein anderes Mal beschimpft er sie als Kriminelle, die ins Gefängnis gehöre, nicht ins Weiße Haus. Die Clintons, wetterte der Milliardär in der Nacht zum Mittwoch, hätten persönliche Bereicherung zu einer Kunstform entwickelt: "Wir können unsere Probleme nicht lösen, wenn wir auf Politiker zählen, die diese Probleme erst geschaffen haben."

Unberechenbarer Trump

Die Demokratin konterte mit der Warnung, es wäre viel zu riskant, einem charakterlich so labilen, einem so unberechenbaren Mann wie Trump den Koffer mit dem Atombombencode zu überlassen. Dieser Hasardeur wolle gewinnen, indem er das Land spalte, Ängste schüre, Salz in Wunden streue. Dann wieder sprach sie von einem Meilenstein der Geschichte, von dem historischen Moment, in dem eine der beiden großen Parteien der Vereinigten Staaten erstmals eine Frau ins Rennen ums Weiße Haus schickt.

Offiziell ist dies zwar erst besiegelt, wenn die Delegierten des Wahlparteitags Ende Juli über die Kandidatur befinden. Doch in Wahrheit ist das Rennen gelaufen, auch wenn Bernie Sanders – angetreten als krasser Außenseiter, dann ein überraschend starker Widersacher der Favoritin – noch nicht bereit ist, es für beendet zu erklären.

Clinton hat jetzt nicht nur in New Jersey, New Mexico und South Dakota die Vorwahlen für sich entschieden, sondern auch in Kalifornien, wo Sanders mit einem Sieg seine Position für den Wahlkonvent hatte stärken wollen. 56 Prozent der Stimmen holte Clinton im bevölkerungsreichsten Bundesstaat, mehr als erwartet.

Sanders will nicht aufgeben

Es wirkte wie eine kalte Dusche für den Senator aus Vermont. Sanders ging zwar in Montana und North Dakota als Erster durchs Ziel, was aber kaum etwas änderte an der aus seiner Sicht ernüchternden Bilanz des Wahltages. Ans Aufgeben will er dennoch nicht denken. Er kämpfe weiter um jede Stimme, kündigte der 74-Jährige an. Erst sollten die Demokaten nächste Woche bei den Primaries in der Hauptstadt Washington wählen, dann werde man weitersehen. Zumindest rhetorisch hofft er noch immer auf ein kleines Wunder – darauf, dass die Superdelegierten des Parteitags in Philadelphia reihenweise zu ihm überlaufen und damit das Blatt doch noch wenden.

Nicht an das Votum der Vorwahlen gebunden, haben es die 715 Superdelegierten – es handelt sich um Abgeordnete und Parteifunktionäre – theoretisch in der Hand, die Karten neu zu mischen. Praktisch aber haben die meisten von ihnen schon jetzt Clinton ihre Unterstützung zugesichert. Dass sie auf einmal umschwenken und den Zweitplatzierten zum Sieger erklären, ist nicht zu erwarten.

Clinton braucht Sanders

Was Sanders mit seinem Poker tatsächlich zu erreichen versucht, ist wohl, dass er in prominenter Rolle an der Agenda mitbasteln kann, mit der die Demokraten ins herbstliche Finale ziehen. Seine Trumpfkarte sind junge Wähler, die in Clinton eine Symbolfigur jenes politischen Establishments sehen, von dem sie sich im Stich gelassen fühlen. Bei ihnen vor allem konnte er punkten mit seinem Versprechen kostenloser Colleges, bezahlbarer Krankenversicherungen und einer zurückhaltenden Außenpolitik; verbunden mit einem Sparkurs beim Militär.

Hinzu kommen Unabhängige, die sich nicht festlegen und die in dem kantigen Veteranen einen grundehrlichen Typen sehen, der unbeirrbar zu seinen Überzeugungen steht. Clinton braucht diese Wähler, will sie Trump im Herbst bezwingen. Ein Schulterschluss mit Sanders ist die Voraussetzung dafür. Kommentar Seite 32

Bill Clinton, der 42. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, und seine Ehefrau Hillary Clinton, vielleicht die Nummer 45 in dieser Folge. Und wenn es so wäre, dann wäre sie die erste Frau in diesem Amt. (Frank Hermann aus Washington, 8.6.2016)

Kommentar von Christoph Prantner: Amerikanischer Albtraum

  • Hillary Clinton hat mit der Nominierung der Demokraten einen wichtigen Etappensieg errungen. Jetzt beginnt der Wahlkampf gegen den Republikaner Donald Trump.
    foto: afp photo / timothy a. clary

    Hillary Clinton hat mit der Nominierung der Demokraten einen wichtigen Etappensieg errungen. Jetzt beginnt der Wahlkampf gegen den Republikaner Donald Trump.

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