Gerichtsurteil für Künstler Pawlenski: Geldstrafe wegen Kunstaktion, keine Haft

8. Juni 2016, 17:50
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Pawlenski muss 6.800 Euro zahlen, wird sich aber "aus Prinzip" weigern

Moskau – Weil er vor dem Inlandsgeheimdienst in Moskau Feuer legte, ist der russische Konzeptkünstler Pjotr Pawlenski am Mittwoch zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Das Gericht befand den Künstler für schuldig, mutwillig ein Kulturgut beschädigt zu haben. Die Geldstrafe in Höhe von 500.000 Rubel (rund 6.800 Euro) wurde als milde gewertet – dem 32-jährigen Familienvater hatten mehrere Jahre Haft gedroht.

Pawlenski verließ als freier Mann den Gerichtssaal, weigerte sich jedoch, die Geldstrafe zu zahlen: "Ich kann das Geld aus Prinzip nicht zahlen", sagte er. Zugleich dankte der Künstler seinen Unterstützern: "Danke für Eure Unterstützung, Dank an alle, die keine Angst gehabt haben."

Gefahr, doch inhaftiert zu werden

Pawlenskis Anwalt Dmitri Dinse erklärte, sein Mandant laufe Gefahr, doch noch inhaftiert zu werden. "Wenn er das Geld nicht zahlt, wird er nach einiger Zeit festgenommen. Dann stellt sich die Frage, ob die Geldstrafe in eine 'richtige Bestrafung' umgemünzt wird", sagte Dinse.

Der über die Grenzen Russlands hinaus bekannte Performance-Künstler hatte im November an den Türen der Zentrale des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB in Moskau Feuer gelegt. Der FSB hat seinen Sitz in der Lubjanka, der zu Sowjetzeiten gefürchteten Zentrale des KGB.

Performance als politischer Hinweis

Pawlenski hatte mit seiner Performance auf die Machenschaften der russischen Sicherheitsdienste hinweisen wollen. Er wurde danach festgenommen und verbrachte sieben Monate in Haft. Die Haftzeit führte das Gericht am Mittwoch als Grund für die eher milde Bestrafung an.

Pawlenski macht immer wieder mit spektakulären Aktionen auf sich aufmerksam. Vor zwei Jahren nagelte er seinen Hodensack auf das Pflaster des Roten Platzes in Moskau, um gegen die Entwicklung Russlands zu einem Polizeistaat zu protestieren. 2012 nähte er sich in einer Solidaritätsaktion für die regierungskritischen Punk-Aktivistinnen Pussy Riot den Mund zu. (APA, 8.6.2016)

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