Anti-Jagd-Pickerl könnten Salzburger Staatsanwälte beschäftigen

8. Juni 2016, 12:56
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In der Landeshauptstadt wurden Dutzende Mistkübel, Poller, Regenrinnen und Verkehrszeichen beklebt – Unternehmer Mayr-Melnhof im Fokus von Tierschützern

Salzburg/Anthering – In der Salzburger Altstadt haben Unbekannte in der Nacht auf Mittwoch zahlreiche Mistkübel, Poller, Regenrinnen und Verkehrszeichen mit großen Protestpickerl gegen Gatterjagden des Unternehmers Maximilian Mayr-Melnhof beklebt. Insgesamt wurden rund 30 DIN-A4 große Sticker angebracht. "Die Aufkleber haben sich aber offenbar recht leicht lösen lassen", sagte eine Sprecherin der Polizei zur APA.

Nun muss die Staatsanwaltschaft Salzburg klären, ob Ermittlungen wegen einer möglichen Sachbeschädigung aufgenommen werden. Ein Name einer Organisation fand sich auf den Stickern nicht. Für den Mittwochnachmittag hatten die Tierschützer vom Verein gegen Tierfabriken (VGT) vor dem Jagdgatter Mayr-Melnhofs bei Anthering (Flachgau) zu einer Demonstration aufgerufen.

Die Botschaft auf den Stickern samt Konterfei von Mayr-Melnhof (Überschrift: "Wanted") war unmissverständlich: "Der Verdächtige betreibt im Norden von Salzburg ein Jagdgatter, in dem er Hunderte Wildschweine züchtet. Etwa 400 dieser handzahmen Tiere werden jährlich im umzäunten Gelände von Jagdhunden gehetzt und von Jagdgästen beschossen." Ein Spektakel – so der Text am Aufkleber weiter – das lediglich der Lustbefriedigung einiger Perverser diene.

Eine Wildschweinjagd in dem privaten Gatter von Mayr-Melnhof am 15. Dezember 2015 hatte zu einer Reihe gegenseitiger Anzeigen geführt. Die Tierschützer hatten drei Anzeigen wegen Tierquälerei, Sachbeschädigung und Nötigung eingebracht, die Ermittlungen wurden hier aber zum Teil aber wieder eingestellt. Auch der Unternehmer setzte sich juristisch zur Wehr und brachte Anzeigen wegen Verleumdung, Rufschädigung und Besitzstörung ein.

Frühere Anzeigen ohne Ermittlung

Wie der Sprecher der Salzburger Staatsanwaltschaft, Robert Holzleitner, am Mittwoch auf APA-Anfrage mitteilte, haben die Anzeigen der vergangenen Monate zu keinen strafrechtlichen Ermittlungsverfahren gegen Maximilian Mayr-Melnhof oder VGT-Obmann Martin Balluch geführt. Am Zivilrechtsweg sind die juristischen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Kontrahenten aber noch nicht beendet.

Am Handelsgericht Wien wurde zuletzt einen Antrag von Mayr-Melnhof auf einstweilige Verfügungen nach drei Protestaktionen der Tierschützer abgelehnt. Der VGT hatte dem Salzburger einen Preis – das "Steinerne Herz" – verliehen, und später mit einer Toilettenaktion und einer Mayr-Melnhof-Puppe gegen die Gatterjagd protestiert. Der Unternehmer fühlte sich verunglimpft und klagte. Dem Gericht zufolge habe es sich aber um erlaubte Protestformen gehandelt, sagte Balluch. Allerdings legte Mayr-Melnhof gegen dieses Urteil Rekurs ein. Über die eingebrachten Unterlassungsklagen zu den drei Protestaktionen sei laut VGT hingegen noch nicht entschieden worden.

Am Bezirksgericht Oberndorf (Flachgau) ist außerdem ein von Mayr-Melnhof angestrengter Prozess wegen Besitzstörung offen. Wie sich Ende April im Verfahren herausstellte, war der Vorsteher des Bezirksgerichts selbst an der Wildschweinjagd in dem Gatter beteiligt. Nun muss das Landesgericht Salzburg über einen Ablehnungsantrag gegen den prozessführenden Richter entscheiden. (APA, 8.6.2016)

  • Der Beschuss in Gefangenschaft aufgewachsener Wildschweine erregte den Unmut von Tierschützern.
    foto: apa/dpa/ole spata

    Der Beschuss in Gefangenschaft aufgewachsener Wildschweine erregte den Unmut von Tierschützern.

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