Schwere Unwetter in Hamburg: Feuerwehr ruft Ausnahmezustand aus

8. Juni 2016, 07:02
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"Unzählige abgedeckte Dächer und vollgelaufene Keller" – Blitz schlug in Frankfurt in Headset eines Flughafenmitarbeiters ein

Hamburg – Ein Tornado hat am Dienstagabend in Hamburg schwere Schäden angerichtet. Die Feuerwehr löste nach Angaben eines Sprechers Großalarm aus: Mehr als tausend Kräfte rückten aus, es gab 254 Einsätze. Das Technische Hilfswerk verstärkte die Einsatzkräfte mit rund 130 Mitarbeitern.

Es seien im Nordosten der Hansestadt "unzählige Dächer abgedeckt" worden, darunter auch Hochhausdächer, sagte der Sprecher der Feuerwehr.

Die Windhose entwurzelte Bäume, allein "50 bis 60 massive Alleenbäume" seien umgestürzt und zum Teil auf die Straße gekippt, berichtete der Feuerwehrsprecher. Von Hochhausdächern seien Funkantennen abgerissen und auf die Straße geweht worden, Kleingärten seien zerstört, zahlreiche Keller seien vollgelaufen.

Menschen kamen nach den bis Mitternacht vorliegenden Informationen der Feuerwehr nicht zu Schaden. "Unglaublicherweise ist niemand verletzt worden", sagte der Feuerwehrsprecher. "Wir haben mit dem Schlimmsten gerechnet." Die Einsätze sollten noch die ganze Nacht weitergehen. Das Schlimmste sei aber vorbei: "Wir haben das Gros abgearbeitet", sagte der Sprecher.

Innensenator Andy Grote (SPD) machte sich bei dem Einsatz vor Ort ein Bild von der Lage. Er dankte den Kräften für einen "großartigen und beeindruckenden Einsatz", berichtete die Feuerwehr über den Kurznachrichtendienst Twitter.

Kurz vor 18.30 Uhr hatten Bürger aus den Stadtteilen Wandsbek und Steilshoop die Feuerwehr über eine Windhose informiert. Die Feuerwehr löste daraufhin Großalarm aus. Sie rief Mitarbeiter aus dem Feierabend zurück und verdoppelte die Zahl der Führungskräfte.

Unwetter auch in Niedersachsen und Baden-Württemberg

Am Frankfurter Flughafen ist ein Mitarbeiter vom Blitz getroffen und schwer verletzt worden. Der Blitz traf am Dienstagabend das Headset des 44-Jährigen, wie die Polizei in Frankfurt am Mittwoch mitteilte. Der Mann stand auf dem Trittbrett eines Schleppfahrzeugs, das gerade eine Boeing 777 in Position brachte.

Der Fahrer des Wagens blieb unverletzt. Der Verletzte wurde ins Krankenhaus gebracht. Während des Unwetters am Dienstagabend wurde aus Sicherheitsgründen kein Flugzeug be- und entladen. Das Gewitter brachte daher auch den Flugplan durcheinander: 20 Flugzeuge konnten nicht landen, 15 Flugzeuge konnten nicht starten und 47 weitere Flüge starteten verspätet erst nach 23.00 Uhr.

Auch im niedersächsischen Damme kam es zu schweren Unwettern. Am Abend standen drei Viertel des Stadtgebietes unter Wasser, nachdem innerhalb von 20 Minuten 70 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen waren. "Wir hatten hier schon mal Wasser auf den Straßen stehen, aber so etwas wie heute hatten wir noch nicht", sagte ein Polizeisprecher am Dienstagabend in Damme. Das Unwetter habe gegen 17.15 Uhr begonnen, aber bald wieder aufgehört.

In Teilen Baden-Württembergs fielen innerhalb einer Stunde mehr als 30 Liter Regen pro Quadratmeter. Besonders betroffen war demnach die Region um den Schwarzwald, vor allem der Ortenaukreis und der Kreis Calw. In Unterharmersbach schlug ein Blitz in ein Wohnhaus ein und verursachte mehrere tausend Euro Schaden. Verletzte gab es zunächst nicht. In Heidelberg wurde bei Unwettern außerdem ein Baum entwurzelt, mehrere Straßen waren überflutet.

Erst vor gut einer Woche hatten Unwetter in Baden-Württemberg verheerende Schäden angerichtet, vier Menschen kamen ums Leben. Besonders betroffen waren die Gemeinden Braunsbach und Schwäbisch Gmünd. Dass sie wieder der Schwerpunkt der sehr lokalen Gewittern werden, sei allerdings unwahrscheinlich, sagte der Meteorologe. Das Land zahlte bereits 700.000 Euro Soforthilfe an besonders betroffene Regionen aus. (APA, 7.6.2016)

  • Der Wirbelsturm über Hamburg.
    foto: monika zucker/dpa via ap

    Der Wirbelsturm über Hamburg.

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