Gedenkstätte Auschwitz erhält verschollene Besitztümer von Ermordeten

7. Juni 2016, 17:33
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Gegenstände waren 1967 bei archäologischen Ausgrabungen in der Nähe der Gaskammern gefunden worden

Auschwitz – Fast ein halbes Jahrhundert lang waren letzte persönliche Gegenstände von in Auschwitz-Birkenau ermordeten Häftlingen verschollen. Nun hat die Gedenkstätte erfolgreich nach den Objekten gefahndet, die 1967 bei archäologischen Ausgrabungen in der Nähe der Gaskammern des einstigen deutschen Vernichtungslagers gefunden worden war.

Wie ein Museumssprecher am Dienstag mitteilte, konnten mehr als 16.000 Gegenstände – von Schmuck und Uhren über Reste von Schuhen und Küchenzubehör bis zu Tabakspfeifen und Haarbürsten – in die Museumssammlung zurückgeführt werden. "Eine so große Sammlung zu finden, ist so unwahrscheinlich wie die Suche nach einem verschollenen Schatz", betonte Museumsdirektor Piotr Cywinski.

Wieder gefunden

Ein Dokumentarfilm über die Ausgrabungen im Jahr 1967 hatte die Suche ausgelöst. Nur 400 Gegenstände der Ausgrabung waren tatsächlich registriert worden. Es war jedoch klar, dass sehr viel mehr von der letzten Habe der Auschwitz-Häftlinge gefunden worden war. Nur wenige Monate nach den archäologischen Arbeiten kam es in Polen zu einer antisemitischen Kampagne. "Das waren schwierige Zeiten für alles, was mit dem Holocaust zu tun hatte", so Cywinski.

Den Museumsmitarbeitern gelang es, Kontakt zu einem der letzten noch lebenden Teilnehmer der Ausgrabungen aufzunehmen, und sie erhielten den Hinweis auf 48 Kartons, die jahrzehntelang in einem Magazin der Akademie der Wissenschaften aufbewahrt wurden. "Das ist ein unerwarteter, völlig einzigartiger Tag in der Geschichte unseres Museums", sagte Cywinski über den Fund.

Auschwitz-Birkenau war das größte der nationalsozialistischen Todeslager, hier wurden mindestens 1,1 Millionen Menschen ermordet. Die meisten der Opfer waren Juden. Aber auch sowjetische Kriegsgefangene, Roma und Sinti, Polen, politische Häftlinge und Homosexuelle waren unter den Ermordeten. (APA, red, 7. 4. 6. 2016)

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