Uniko-Chef: "Freien Uni-Zugang gibt es schon jetzt nicht"

7. Juni 2016, 16:33
21 Postings

Der neue Präsident der Universitätenkonferenz, Oliver Vitouch, will "endlich Taten" und mehr Budget sehen

Wien – Die Universitätenkonferenz (Uniko) will beim Ausbau der Finanzmittel für die Unis "endlich Taten sehen" – zumindest in Form eines Budgetpfads, sagte der neue Uniko-Präsident Oliver Vitouch, Rektor der Uni Klagenfurt, am Dienstag. "Österreich investiert derzeit deutlich weniger in seine Universitäten als die Schweiz und Bayern. Das können wir uns – auch wenn es paradox klingt – auf Dauer nicht leisten."

Konkret bedeute dies jährlich 500 Millionen Euro zusätzlich von 2019 bis 2021 für die Unis, rechnete Vitouch vor. Etwas mehr als ein Drittel dieser 1,5 Milliarden Euro würde nur in den Teuerungsausgleich fließen, ein Drittel in zusätzliche wissenschaftliche Stellen zur Verbesserung der Betreuungsrelationen. 240 Millionen entfallen auf die Geräteinfrastruktur, mit 80 Millionen Euro müsse die schlechte FWF-Dotierung bei Overheadkosten und Doktorandenkollegs ausgeglichen werden, weitere 210 Millionen Euro sollen in FWF-Exzellenzcluster fließen.

"Kapizität im Lot"

Außerdem bedürfe es eines "effizienten Studienplatzmanagements" mit Aufnahmeverfahren für besonders überlaufene Studien. Vitouch: "Die Kapazitäten müssen im Lot sein." Man könne "nicht so tun, als ob es Kapazitäten und Kapazitätsprobleme nicht geben würde", sagte Vitouch.

"Den freien Hochschulzugang gibt es schon jetzt nicht", verwies er auf die unübersichtlichen Regelungen für diverse Studienrichtungen, Kunst-Unis und englischsprachige Masterstudien.

Die bisherige Form des "freien Zugangs" habe zwar zu einer Verbesserung der sozialen Durchmischung geführt, aber nicht genug. Bei schlechteren Studienbedingungen würden genau die wieder "hinausfrustriert", die aus niedrigeren sozialen Schichten stammten. "Man muss sich über Affirmative Action Gedanken machen, über das Schulsystem, über die Schnittstellen und auch über das Migrationsthema", sagteVitouch.

Vizepräsidentin Edeltraud Hanappi-Egger von der WU ergänzte, das Beihilfensystem müsse modernisiert und die Studienbehilfenhöhe valorisiert werden.

Das Thema Studiengebühren will Vitouch aktiv nicht anschneiden. Er persönlich halte "sehr gering dosierte" Gebühren für "grundsätzlich vernünftig. Aber mir ist klar, dass die Gefahr besteht, dass sie – wenn sie einmal eingeführt sind – durch die Decke gehen oder die Höhe den Unis freigestellt wird." (APA, nim, 7.6.2016))

Share if you care.