"Werkstück": Die Abwechslung, der Wurm und das Ego

7. Juni 2016, 16:51
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Im Tanzquartier Wien sind wieder drei junge choreografische Talente zu bestaunen: Jasmin Hoffer, Laura Unger und Evandro Pedroni

Wien – Feine Sache für junge Choreografinnen und Choreografen: Eine Saison lang im Tanzquartier Wien bei hochkarätigem Coaching an einem eigenen Stück werken. Werkstück heißt diese jährlich präsentierte Plattform.

Ab Donnerstag zeigen nun wieder drei Zukunftshoffnungen, was sie künstlerisch bewegt: Jasmin Hoffer, Evandro Pedroni und Laura Unger. Betreut wurden sie von einem Mastermind des zeitgenössischen Tanzes, Philipp Gehmacher.

Kurz und schnittig: Die jungen Heldinnen und Helden bewegen 1. österreichische Volkstänze (Unger), 2. einzigartige Ich-Eigenschaften (Pedroni) und 3. unsere Wahrnehmung des Wurms (Hoffer). Jetzt bitte nicht lachen!

Aus journalistischer Perspektive wäre natürlich ein krachlederköpfiger Volkswurmtanz die attraktivste Selbstverspiegelung. Aber in kulturellen Tiefen schürfende Kunst ist dem gemeinen Journalismus meist gänzlich ungleich. Daher also, über Pedronis Ego-Analyse In the eye of the beholder hinaus, die Frage: Was ist da los?

Oma und der Volkstanz

Laura Unger hat für ihre Lecture Performance einmal hin, einmal her die eigene Oma befragt, die in den heimatverliebten Fünfzigern dem Volkstanz frönte. Diesen Kulturwert führt die junge Künstlerin nun als "willkommene Abwechslung zur zeitgenössischen Dekonstruktion/Hinterfragung von Tanz und Bewegung" vor.

Klingt arg, kann aber in unseren Zeiten des neuen Aufblühens von politisch opportuner Volkstümelei in ihrer "identitären" Form eine echte Unterscheidungshilfe sein: Was ist historische Kultur und was bloß billige Propaganda?

Ähnlich steht es mit Jasmin Hoffers Solo little worms can trigger big changes. Hier arbeitet sich die Tänzerin in den Wurm ein, in dieses Anti zur Krone der Schöpfung, dieses geringste unter den Wesen in der Natur. Aber nicht das Geringste, sondern die Krone zerstört die Lebensgrundlagen auf diesem Planeten. Und das wurmt uns. (Helmut Ploebst, 7.6.2016)

Tanzquartier Studios, 9. bis 11.6., 19.30

  • Sag mir, wie die Würmer sind – Jasmin Hoffer zeigt uns, dass die kleinsten, geringstgeachteten Wesen große Veränderungen bewirken können.
    foto: oleg soulimenko

    Sag mir, wie die Würmer sind – Jasmin Hoffer zeigt uns, dass die kleinsten, geringstgeachteten Wesen große Veränderungen bewirken können.

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