Brexit: WTO warnt Briten vor Zöllen in Milliardenhöhe

7. Juni 2016, 16:19
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Freihandelsvereinbarungen müssten neu verhandelt werden – WTO-Generalsekretär: Britische Exporteure müssten bis zu 5,6 Mrd. Pfund jährlich für Ausfuhren zahlen

London – Falls Großbritannien die EU verlässt, drohen der Exportwirtschaft des Landes laut Welthandelsorganisation (WTO) Milliardenbelastungen durch Zölle. Nach einem Brexit müsste das Land die Handelsbedingungen mit den 27 verbleibenden EU-Staaten neu aushandeln, sagte WTO-Generalsekretär Roberto Azevedo am Dienstag auf einer Konferenz in London laut im Voraus verbreitetem Redemanuskript.

Auch Gespräche mit 58 weiteren Ländern, mit denen die EU Freihandelsabkommen hat, seien nötig, sagte Azevedo. Während der Verhandlungen würde der Handel zwar weitergehen, "aber zu schlechteren Bedingungen", warnte er. "Als Konsequenz bestünde für britische Exporteure das Risiko, dass sie bis zu 5,6 Mrd. Pfund jährlich an Zöllen auf ihre Ausfuhren zahlen müssen" – das wären 7,1 Mrd. Euro.

Auch mit der WTO müsste Großbritannien laut Azevedo im Falle eines EU-Austritts Gespräche aufnehmen. Zwar bliebe das Land demnach Mitglied der Organisation. Doch die wichtigsten bisher geltenden Bedingungen leiteten sich aus der EU-Mitgliedschaft Großbritanniens her. Wenn diese ende, könnten die Bedingungen nicht einfach "kopiert" werden, warnte Azevedo.

Unklarer Zeitrahmen für Neuverhandlung

Da es sich um eine "noch nie dagewesene" Situation handeln würde, sei es "unmöglich", einen Zeitrahmen für die Neuverhandlung der WTO-Mitgliedschaft abzuschätzen, sagte der Generalsekretär. Nachverhandlungen über die Konditionen für eine bereits bestehende WTO-Mitgliedschaft einzelner Staaten hätten jedenfalls in der Vergangenheit teils zehn Jahre oder mehr gedauert. Großbritannien würde eine schnelle Lösung brauchen und daher aus einer Position der Schwäche heraus agieren, sagte Azevedo voraus.

Die Briten stimmen am 23. Juni in einem Referendum über den Verbleib des Landes in der europäischen Union ab. Azevedos Rede folgt auf eine ganze Reihe von Warnungen internationaler Wirtschaftsorganisationen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vor einem EU-Austritt. (APA, 7.6.2016)

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