Wie Kometen regelmäßig zerbrechen – und wieder zusammenwachsen

11. Juni 2016, 19:00
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Forscher fanden Hinweise darauf, dass periodische Kometen häufig in zwei Teile brechen dürften, die dann wieder miteinander kollidieren

Boulder – Die Fortschritte in der Kometenforschung waren in den vergangenen Jahren beträchtlich – nicht zuletzt dank Unternehmungen wie der ESA-Mission Rosetta. Doch viele Fragen zur Evolution dieser Himmelskörper sind offen. Nun haben Forscher aus den USA Hinweise auf einen Vorgang gefunden, der für die Form vieler Kometen von großer Bedeutung sein könnte: Sie zerbrechen womöglich in regelmäßigen Abständen in zwei Teile – und formieren sich dann in langsamen Kollisionen immer wieder neu.

Die Wissenschafter um Masatoshi Hirabayashi (University of Colorado in Boulder) analysierten für ihre Studie in "Nature" mehrere Kometen, darunter auch den Rosetta-Zielkometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko ("Tschuri"). Dieser ist für seine auffällige Form bekannt, die viele Beobachter an eine Badeente erinnert: Er besteht aus zwei ungleich großen Teilen, die über einen dünnen "Hals" verbunden sind. Schon im Vorjahr hielten es Forscher in "Nature" für wahrscheinlich, dass der Komet aus ursprünglich zwei Teilen bestand, die kollidierten, und schlossen lokale Erosionen als Ursache für seine Form aus.

Schnellere Drehung

Die Forscher um Hirabayashi simulierten, was mit "Tschuri" passieren würde, wenn sich seine derzeitige Rotationsperiode von etwa zwölf Stunden auf sieben bis neun Stunden verkürzen würde. Ein realistisches Szenario, denn die Rotationsgeschwindigkeit von periodischen Kometen wie "Tschuri" wird durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst, etwa durch die Schwerkraft von Jupiter und Sonne oder durch Ausgasungen. Die Modelle zeigten, dass eine schnellere Rotation zu nahezu symmetrischen Rissen am "Hals" des Kometen und letztlich einem Auseinanderbrechen führen würde.

"Doch 'Kopf' und 'Körper' können nicht entkommen", sagte Daniel Scheeres, Koautor der Studie. "Sie werden beginnen, einander zu umkreisen und binnen Wochen, Tagen oder vielleicht sogar Stunden langsam wieder kollidieren." Dieses Muster könnte sich ein Kometenleben lang wiederholen.

Die Forscher vermuten, dass viele periodischen Kometen auf diese Weise immer wieder neu geformt werden. "Zweiteilige" Kometen wie Tschuri dürften nämlich relativ häufig sein, und Modelle von fünf weiteren Kometen brachten vergleichbare Ergebnisse. (red, 11. 6. 2016)

  • Aufnahme von 67P/Tschurjumow-Gerassimenko aus einer Entfernung von 171 Kilometern.
    foto: ap photo/esa/rosetta/navcam

    Aufnahme von 67P/Tschurjumow-Gerassimenko aus einer Entfernung von 171 Kilometern.

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