EU-Unternehmen in China: "Enttäuschung nimmt zu"

7. Juni 2016, 08:00
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Langsame Reformen in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt bereiten Sorgen

Peking – Die Stimmung bei europäische Unternehmen in China ist so schlecht wie nie zuvor. Ihr Pessimismus habe "einen neuen Höchstwert" erreicht, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichen Umfrage der Europäischen Handelskammer in Peking. Demnach gaben 15 Prozent der befragten Firmen an, negativ auf ihre künftigen Wachstumschancen in der zweitgrößten Volkswirtschaft zu blicken.

Noch vor einem Jahr hatte dieser Wert bei acht Prozent gelegen. Das Lager der Optimisten, die mit weiterem Wachstum in ihrer Branche rechnen, verkleinerte sich das sechste Jahr in Folge auf nun noch 44 Prozent und ist damit noch etwa halb so groß wie 2011.

"Die Enttäuschung nimmt zu", sagte Kammer-Präsident Jörg Wuttke anlässlich der Präsentation der Studie. Die wirtschaftliche Abkühlung aber auch weiterhin eingeschränkte Marktzugänge seien demnach die gravierendsten Probleme für europäische Unternehmen in China.

Zögerliche Öffnung

Die Wirtschaft des Landes war zuletzt mit 6,7 Prozent so langsam wie seit 25 Jahre nicht mehr gewachsen. Doch nicht nur die geringeren Wachstumsraten bereitet den Unternehmen Sorge. Ausschlaggebend für die pessimistische Stimmung sei, dass notwendige Reformen und der Umbau der chinesischen Wirtschaft zu langsam vorangingen.

Statt wie versprochen die Märkte weiter zu öffnen, sieht es "in der Realität oft so aus, dass Peking sich in die entgegengesetzte Richtung bewegt", schreibt die Europäische Kammer in ihrer Analyse. So fürchten die befragten Firmen, "dass die schlimmste Phase der wirtschaftliche Abschwächung erst noch folgen wird".

Die gewaltigen Überkapazitäten der Wirtschaft seien laut Wuttke noch immer das sichtbarste Problem in China. Praktisch alle wichtigen Industriezweige des Landes leiden darunter, dass sie mehr Fabriken betreiben und Mitarbeiter beschäftigen als notwendig wären.

Klagen über Diskriminierung

Verbesserungen lassen auch bei den größten bürokratischen Hürden vergeblich auf sich warten. An der Spitze der Klagen stehen: Ein unberechenbares rechtliches Umfeld und eine beliebige Auslegung von Vorschriften. Auch Diskriminierung im Vergleich zu chinesischen Konkurrenten drückt bei den Europäern auf die Stimmung. Mehr als jedes zweite Unternehmen aus Europa fühlt sich im Vergleich zu chinesischen Wettbewerbern benachteiligt. 58 Prozent der befragten Unternehmen gaben zudem an, dass die strengen Internetsperren in China ihre Geschäfte belasten.

Die sich eintrübende Stimmung wirkt sich auch auf die Investitionslaune der europäischen Unternehmen in China aus. So gaben bei der diesjährigen Umfrage noch 72 Prozent an, dass sie ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung in China in der nahen Zukunft erhöhen wollen. Im Vorjahr hatte dieser Wert noch bei 85 Prozent gelegen. "Wir investieren weniger in China, aber es ist kein Exodus", sagte Wuttke. (APA, 7.6.2016)

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