Deutscher Bundespräsident: Schwierige Suche

Kommentar6. Juni 2016, 17:36
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Angela Merkel darf nicht zu offensichtlich parteipolitisch taktieren

Angela Merkel hat in ihrem politischen Leben schon viel zustande gebracht, aber in einem bisher noch kein glückliches Händchen bewiesen: bei der Auswahl "ihrer" Bundespräsidenten. Der von ihr 2004 durchgeboxte Horst Köhler trat vorzeitig zurück, weil er sich in Berlin zu wenig unterstützt fühlte. Sein Nachfolger Christian Wulff – nun ja, die Geschichte ist hinlänglich bekannt.

2012 wollte Merkel dessen Nachfolger Joachim Gauck eigentlich nicht, wurde aber von SPD, Grünen und FDP dazu gezwungen, und das war gut so. Gauck war der Richtige nach Wulff. Er sorgte dafür, dass das Amt wieder mit Stil und Reputation ausgefüllt wurde, wenngleich die Deutschen dafür manchmal viel Pathos und auch nicht gerade wenig Eitelkeit an der Staatsspitze ertragen mussten.

Sei's drum, Gauck macht es gut, und es wäre für Merkel ungeheuer bequem gewesen, wäre er in die Verlängerung gegangen. Doch der 76-Jährige aus der DDR, dessen Lebensthema die Freiheit ist, nimmt selbige nun auch für sich in Anspruch und geht, wenn es am schönsten ist.

Das ist sein gutes Recht, wird Merkel aber einiges Kopfzerbrechen bereiten. Sie muss eine überzeugende Persönlichkeit präsentieren, die die Mehrheit der Deutschen anspricht. Gleichzeitig darf sie nicht zu offensichtlich parteipolitisch taktieren. Das wird eine Gratwanderung und ist wohl nur mit einem Kandidaten zu schaffen, der nicht aus dem aktuellen Politbetrieb kommt. Einer wie Gauck eben. (Birgit Baumann, 6.6.2016)

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